Capgemini IT-Trends Studie 2014

Nutzung von Privat Clouds steigt sprunghaft an

Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.
Anzeige  Unternehmen stellen immer mehr Services aus der eigenen Privat Cloud bereit. In den vergangenen Monaten wurden deren Kapazitäten fast verdoppelt. Rund 30 Prozent der IT-Services kommen schon aus der Privat Cloud. Die Public Cloud führt dagegen ein Kümmerdasein: Nur vier Prozent der IT-Services werden bisher aus der Public Cloud oder als IT-Leistungen Dritter bezogen.
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Anders als ihre Kollegen aus dem Ausland waren die CIOs im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren wenig begeistert von Cloud Computing und lagen im internationalen Vergleich bei der Umsetzung deutlich zurück. Nach den Ergebnissen der "Capgemini IT-Trends Studie 2014" hat sich das in den letzten Monaten geändert. Danach ist die Nutzung von Cloud Computing sprunghaft angestiegen.

Allerdings ergibt sich ein geteiltes Bild: Während die Unternehmen ihre eigenen Cloud-Kapazitäten deutlich ausgebaut haben und heute im Durchschnitt etwa 30 Prozent ihrer IT-Services aus der Privat Cloud beziehen, hält die Zurückhaltung bei Services aus der Public Cloud nach wie vor an. Nur magere vier Prozent der IT-Services beziehen die Unternehmen auf diese Weise.

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"Die Gründe für die Zurückhaltung sind vielfältig: Zum einen hat man mehr Kontrolle über die IT, wenn die Server im eigenen Rechenzentrum stehen", kommentieren die Studienautoren von Capgemini. "Zum anderen ist die Übertragung von Daten außerhalb des Unternehmensnetzwerkes ein Risiko, dessen potenzielles Ausmaß erst im vergangenen Sommer bekannt wurde." Hinzu käme das Problem, dass internationale Cloud-Anbieter nicht zwingend die Datenschutzgesetze aller europäischen Länder einhielten und eventuell Dritte auf die Daten zugreifen könnten, ohne dass das Unternehmen je davon erfährt.

Bei dem Aufbau der eigenen Cloud machten die Unternehmen unterschiedliche Erfahrungen. Zwar sei die Software für den Aufbau einer eigenen Cloud inzwischen gereift, aber viele CIOs hätten festgestellt, dass es nicht so einfach sei, vorhandene Anwendungen in die Cloud zu verlagern. "Erstens müssen sie web-fähig gemacht werden, zweitens verlangt die Cloud ein hohes Maß an Standardisierung, das nicht für alle Applikationen sinnvoll oder machbar ist", so die Studienautoren. Darüber hinaus müssten IT-Prozesse und Arbeitsweisen an die neue Technologie angepasst werden. Während sich die meisten IT-Fachleute normalerweise um Anwendungen und Hardware kümmerten, arbeiteten sie in einer Cloud-Umgebung überwiegend mit dem Provisionierungssystem und fungierten als Berater der Fachbereiche.

Wenn das Unternehmen diese Hürden genommen habe, böten Standardisierung und Cloud aber viele Chancen, von denen es später profitiere. "So kann es Software schneller ändern, einfacher skalieren und von überall darauf zugreifen. Darüber hinaus verkürzen sich die Bereitstellungszeiten in der Cloud und der Wartungsaufwand sinkt", schreiben die Capgemini-Experten. Diese Vorteile nutzten Unternehmen aber sehr selektiv, nämlich in erster Linie für Infrastruktur- und Plattform-Services, die leichter in der Cloud umgesetzt werden könnten als Anwendungen.

Für die "Capgemini IT-Trends Studie 2014" hat das IT- und Strategie-Beratungsunternehmen Capgemini im September und Oktober letzten Jahres 141 Entscheidungsträger aus der Geschäftsführung oder dem Top-Management aus dem deutschsprachigen Raum zu ihren strategischen IT Aktivitäten befragt.