Nur Visionäre brauchen kein Berufsprofil

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Informatiker zu sein heißt heute nicht automatisch, einen Job zu bekommen. Eines der Probleme bei der Suche nach einer Stelle: Gerade in der IT-Welt stimmen Berufsprofil und Anforderungen oft nicht überein.

Immer häufiger haben Young Professionals bei der Jobsuche das Gefühl, dass es den Unternehmen nicht mehr um das Fachwissen des potenziellen Mitarbeiters geht. Sie würden vielmehr einen erfahrenen IT-Profi suchen, der sofort und überall eingesetzt werden kann und zudem ins Preisgefüge des Unternehmens passt. Hochschulabsolventen, die sich von den Anforderungen überrollt fühlen, erhalten Trost von Anna Beeger, die bei dem Personaldienstleister Hays Ascena Tag für Tag Freiberufler und Festangestellte rekrutiert und vermittelt: "Natürlich wird in der jetzigen Situation der 150-prozentige Mitarbeiter gesucht. Wenn wir den Kunden aber klar machen, dass wir diesen nicht 'backen' können, werden letztlich doch Abstriche gemacht." Schließlich spiele die Persönlichkeit des Bewerbers eine entscheidende Rolle.

Anders dagegen sehe die Situation bei den IT-Freiberuflern aus. Beeger: "Deren fachliches Know-how muss perfekt passen." In einer Umfrage der D21-Initiative klagten die befragten 136 Personalchefs, dass zwar die Zahl der Bewerbungen zugenommen habe, nicht aber deren Qualität. "Es gibt weder in Deutschland noch international eine einheitliche Definition darüber, welche Jobprofile das Informationszeitalter erfordert", sagt Silke Ramelow, Projektleiterin der Online-Befragung "E-Skills in Wirtschaft und Verwaltung". Laut D21 wollen die Personaler nicht nur Bewerber mit IT-Wissen, sondern erwarten verstärkt Sozial- und Methodenkompetenzen. Ein besonderes Augenmerk legen sie auf Persönlichkeitsmerkmale wie Engagement, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein sowie auf Berufserfahrung.

Pluspunkt Doppelqualifikation

"Zusätzlich suchen die Unternehmen nach IT-Profis mit Doppelqualifikation", stellt Stephan Pfisterer vom Branchenverband Bitkom fest. Damit sei nicht wie früher die Verbindung von IT-Wissen und Betriebswirtschaftslehre gemeint, sondern beispielsweise eine Kombination aus IT- und Maschinenbau-Know-how. Das hätten indes nur wenige Informatiker zu bieten, da es zu viele Branchensegmente und zu viele Spezialisierungen gebe. Auch Johannes Bussmann, der für IT-Projekte verantwortliche Partner der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton in München, bestätigt die hohen Erwartungen vieler Personalverantwortlichen, die Angebot und Nachfrage noch weiter auseinander klaffen ließen. So würden Personaler Young Professionals suchen, welche die betreffende Branche - seien es Banken, Versicherungen oder die Konsumgüterindustrie - "von der Pike auf" kennen und verstehen.

Foto: Joachim Wendler
Foto: Joachim Wendler

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