Ideallösung für Maintenanceprobleme steht noch aus:

Nur Konsequenz läßt Wartungskosten sinken

09.12.1983

FRANKFURT (hh) - Es scheint, als hätten sich die DV-Abteilungen ihre Softwarewartungsprobleme selbst zuzuschreiben. Die Frage, ob die Unternehmensmitarbeiter in Techniken der Softwaremaintenance geschult werden, verneinten fast 90 Prozent der Antworten in einem Fragebogen, den das Control Data Institut anläßlich der Structo '83 in Frankfurt unter den Tagungsgästen verteilen ließ. Immerhin 31 der 42 zurückgegebenen Fragebögen zeigten demgegenüber, daß die Befragten mit Wartungsaufwendungen von mehr als 60 Prozent der normalen Tätigkeit leben.

Auch die Kosten, die durch die Wartungsmaßnahmen entstehen, sind nicht gering. So antworteten nur zehn der Tagungsgäste, die bei dieser Aktion mitmachten, daß ihre Ausgaben unter 50 Prozent der Kosten der Erstentwicklung liegen. Fast 31 Prozent der Antworten (13 Befragte) wiesen Kosten zwischen 50 und 100 Prozent aus, über 23 Prozent der Population wenden 100 bis 200 Prozent der Entwicklungskosten für die Maintenance auf und vier Anwender sprachen sogar von über 200 Prozent in diesem Zusammenhang. Ein Grund für diese Zahlen dürfte dabei in den Abteilungen selbst zu suchen sein. Knapp 80 Prozent verneinten die Frage, ob Programme vorab auf Wartungsfreundlichkeit geprüft würden.

Entwickler überholen auch

Zum Großteil werden die "Überholungsarbeiten" an den Programmen von denjenigen Mitarbeitern ausgeführt, die auch in der Entwicklung dabei waren. Spezielle Wartungsabteilungen setzen nur ein Fünftel der Anwender ein. Fremdwartung bei eigenentwickelten Programmen findet sich in dieser Fragebogenauswertung überhaupt nicht aufgelistet.

Besteht die Maintenance aus den Komponenten Fehlerbereinigung, Anpassung und Weiterentwicklung, so zeigt sich bei der Frage nach dem Fehlerbereinigungsanteil während der Wartungsarbeiten ein positives Bild. Die Hälfte aller Anwender sagt aus, daß diese Tätigkeit nur bis zu 30 Prozent der Zeit in Anspruch nehme.

Zehn Teilnehmer allerdings kämpfen knapp zwei Drittel ihrer Zeit mit der Fehlerbeseitigung. Dabei wird der Weg der kurzen Kommunikation in den Abteilungen bevorzugt. Projektleiter und -mitarbeiter sind die weitaus häufigsten Ansprechpartner, wenn es um Fehlermeldungen und Änderungsanforderungen geht.

Um die anstehenden Wartungsprobleme zu lösen, bedienen sich immer mehr Unternehmen einer eigenen Qualitätssicherungsstelle. Knapp die Hälfte der befragten Tagungsgäste gab an, daß sich eine solche Abteilung bereits im Hause befände, oder aber in der Planung die Einrichtung einer Qualitätssicherungsstelle vorgesehen sei. Die Auskünfte geben auch Aufschluß über den Stellenwert, der der Produktgüte in diesem Bereich eingeräumt wird: die Wichtigkeit guter Qualität wird nicht bezweifelt.

Schwachpunkt: Anwenderfreundlichkeit

Dennoch erstaunt, daß gut ein Viertel der Anwender keine konkreten Schritte unternimmt, um die Leistungsfähigkeit der Softwareprodukte zu garantieren. Auf die Frage, was die Projektleiter der Unternehmungen von Qualitätssicherungsmaßnahmen hielten, antworteten die CDI-Gäste wie folgt: "Unbedingt notwendig" (33,33 Prozent), "nur teilweise einsetzbar" (38,1 Prozent), "überflüssig" (14,29) und "keine Erfahrung" (19,05).

Nach der Einschätzung der Befragten verhalten sich die Projektmitarbeiter gegenüber diesen Maßnahmen zu über der Hälfte abwartend und duldend, zu einem Fünftel ablehnend, aber nur zu einem Zehntel voll motiviert und engagiert. Daran mag es liegen, daß die DV-Abteilungen nur zur Hälfte Tools zur Qualitätssicherung und Wartungserleichterung einsetzen.

Als bedeutendste Schwachstelle sehen die Befragten die geringe Änderungsfreundlichkeit, aber auch fehlende Flexibilität, mangelnde Stabilität und schlechte Portabilität nehmen ihren Platz in dieser Reihenfolge ein.

Vor den Konsequenzen dieser Aussage verschlossen die Structo-Teilnehmer ihre Augen nicht. Sie sind sich beispielsweise darüber bewußt, daß Änderungen in einem Softwaresystem neue Fehler hervorrufen können - nur wie sie zu umgehen sind, scheint unklar. 16 Prozent wissen zwar ob dieser Gefahr, sehen aber keine Möglichkeit, das Problem in den Griff zu bekommen. Über die Hälfte der Antworten zeigte zwar, daß die DV-Fachleute über diese Situation nachdenken, ein strukturiertes Vorgehen ist allerdings auch hier in der Regel nicht vorzufinden.

Ein Analysetool setzt nur einer der Structo-Teilnehmer ein, so zeigt die Auswertung. Unklarheit herrscht bei den DV-Verantwortlichen aber auch über die kostenmäßigen Auswirkungen von Softwarefehlern. Ein Drittel der Befragten kümmert sich gar nicht um diesen Tatbestand, ein weiteres Drittel würde zwar gerne Bescheid wissen, findet aber keine geeignete Vorgehensweise zur Berechnung.