Neue Strategie

Novell macht künftig in Intelligent Workload Management

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Novell will mit einer neuen strategischen Stoßrichtung von den boomenden Märkten Virtualisierung und Cloud Computing profitieren.
Novell-Chef Ron Hovsepian
Novell-Chef Ron Hovsepian
Foto: Novell

Für sein künftiges Intelligent Workload Management kombiniert Novell im Wesentlichen sein Identity und Systems Management. Anwender sollen damit ihre Computing-Ressourcen über heterogene physische, virtuelle und Cloud-Umgebungen hinweg sicher verwalten können - mit der Betonung auf sicher, denn aus Sicht des Anbieters haben sowohl die neue Computing-Ansätze als auch gesetzliche und regulatorische Auflagen ganz neue Anforderungen an Sicherheit und Compliance entstehen lassen.

Novell bricht mit seiner neuen Strategie zunächst die IT von Unternehmen auf einzelne Workloads herunter. Einen Workload definiert der Anbieter als portable, eigenständige Kombination aus Betriebssystem, Middleware und Applikation. Er ist plattformnagnostisch und kann auf phyischen Servern ebenso laufen wie virtualisiert - mit Lösungen von unter anderem VMware, Microsoft, Citrix - oder in der Cloud (ein Workload oder auch eine Kombination aus mehreren Workloads bildet wiederum einen Business Service, den Endnutzer verwenden).

Novell verpasst jedem Workload über seine Software-Lösungen nun Identity- und Access-Controls, die regelbasierend festlegen, wann und wo ein Workload ablaufen darf. Dazu kommen Monitoring und Reporting in Echtzeit und die Verwaltbarkeit über bestehende und künftige Management-Frameworks. Beispiel: Eine US-Krankenversicherung unterliegt den Auflagen des dortigen HIPAA-Gesetzes. Ein Workload zur Bearbeitung von Erstattungsanträgen "wüsste" in Novells Szenario dann, dass er zwar sehr wohl in einer Private Cloud innerhalb der Firewall laufen dürfte, nicht aber in einer Public Cloud.

Mit seinen vorhandenen Angeboten in den Bereichen Identitiy Management, Systems Management und Betriebssysteme sieht sich Novell im schnell wachsenden Markt für Intelligent Workload Management (IWM) bestens aufgestellt, es setzt außerdem auf die Rückendeckung prominenter Partner wie Affiliated Computer Systems (ACS), Atos Origin, Infosys oder VMware. "Kunden suchen heute nach einer pragmatischen Lösung, um ihre verteilen Computing-Ressourcen sicher zu verwalten und zu optimieren", sagt Novell-Chef Ron Hovsepian. "Novells Ansatz beim IWM hilft Unternehmen dabei, ihre vorhandenen IT-Assets zu nutzen, die signifikanten Kostenvorteile neuer Modelle wie Virtualisierung und Cloud Comuting zu erschließen und mit den nötigen Tools ihre Informationen zu sichern, während sich diese innerhalb und außerhalb der Organisation bewegen."

Novells IWM soll dabei beleibe nicht nur alter Wein in neuen Marketing-Schläuchen sein: Insgesamt acht neue Produkte will die Firma in den kommenden zwölf Monaten herausbringen, verteilt über die vier Kernbereiche Build ("SUSE Appliance Toolkit", "Novell 'Workshop'"), Secure ("Novell Identity Manager 4", "Novell Cloud Security Service"), Manage ("Platespin 'Atlantic'", "Platespin 'Bluestar'", "ZENworks 'Workbench'") sowie Measure ("Novell Compliance Automation").

Mary Johnston Turner, Analystin bei der IDC, sieht Novell auf dem Weg in die richtige Richtung. "Wir bewegen uns in Richtung dynamische Virtualisierung, und dazu muss man integrieren und eine stärker regelbasierenden Ansatz verfolgen", sagt die Expertin. In vielen Unternehmen seien aber natürlich bereits Management-Tools vorhanden (wenn auch nicht unbedingt Novells Vorstellung von IWM entsprechend); außerdem müsse sich erst noch erweisen, ob Novell seine vollmundigen Versprechen auch einlösen könne.

Ihre Kollegin Laura DiDio von Infomation Technology Intelligence Corp. sieht durchaus Bedarf für solch einen heterogenen Ansatz zur Container-Virtualisierung, da die meisten Anwender (in einer aktuellen Umfrage unter 1000 Firmen 40 Prozent) doch mehr als eine Lösung zur Server-Virtualisierung einsetzten. Novells zentrale Identity- und Security-Produkte gälten weithin als "top notch", weswegen es auch absolut sinnvoll sei, sie in die IWM-Strategie mit einzubeziehen. Die Expertin kann sich gut vorstellen, dass Novell mit seiner neuen Strategie nicht nur Bestandskunden überzeugen, sondern sich auch ganz neue Kunden erschließen kann.