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Norris: Microsoft drohte mit Windows-Entzug

27.05.1999
Antitrust-Prozeß

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Im Vorfeld der Wiederaufnahme des Kartellverfahrens gegen Microsoft am kommenden Dienstag, dem 1. Juni, gibt heute IBM-Manager Garry Norris seine schriftliche Aussage zu Protokoll. Norris, einst bei Big Blue Director für Softwarestrategie und Partnerschaften, erhebt darin laut US-Presseberichten schwere Vorwürfe gegen die Gates-Company. Im Zuge von Lizenzverhandlungen in den Jahren 1995 bis 1997 für Microsofts Betriebssystem Windows, für das die IBM als Großabnehmer einen guten Preis aushandeln wollte, habe die Gates-Company in Person von Verhandlungsführer Joachim Kempin damit gedroht, kein Windows mehr zu liefern, wenn IBM nicht auf die Unterstützung gewisser Konkurrenzprodukte (unter anderem Netscapes "Navigator"-Browser und Lotus Notes) verzichte. "Ihr könnt Euer Windows ja im Laden kaufen", soll Kempin laut "Seattle Times" damals gesagt haben.

Die Gates-Company selbst wollte keine Stellung zu den Vorwürfen von Norris abgeben. Eine Sprecherin erklärte aber zumindest gegenüber dem "Wall Street Journal": "Letztlich hat Microsoft Windows an die IBM zu einem vernünftigen Preis lizenziert, und IBM hat weiterhin neben Windows eine Menge Konkurrenzprodukte auf ihre Maschinen gepackt." Das Finanzblatt berichtet außerdem, Norris habe ein detailliertes Notizbuch über Microsofts Drohungen geführt. Dieses soll im Prozeß als Beweismittel vorgelegt werden.