Newcomer in der deutschen IT-Service-Landschaft

Nord IT setzt auf Mittelstand und regionale Fokussierung

22.12.2000
BREMEN - In der deutschen IT-Dienstleistungsszene tummeln sich bekanntlich so viele kleine und mittlere Serviceanbieter wie in keinem anderen Land. Mit der Nord IT, ansässig in Bremen, geht nun ein weiteres Leichtgewicht ins Rennen. Aufgestellt als Full-Service-Anbieter für IT und E-Business wollen sich die Bremer vorerst ausschließlich auf den norddeutschen Raum konzentrieren und nehmen dabei speziell den Mittelstand ins Visier. Von Beate Kneuse*

Die Nord IT ist eine gemeinsame Tochter der Brauerei Beck & Co. sowie des auf Facility Management, Telekommunikation und Energiewirtschaft spezialisierten Infrastruktur-Dienstleisters SWB AG. Beide haben ihre IT-Abteilungen ausgegliedert und zusammengeführt. Erklärt Dieter Ammer, Geschäftsführer von Beck & Co.: "Wir gingen davon aus, dass eine marktorientierte Weiterentwicklung unserer IT nur dann möglich ist, wenn wir sie dem Wettbewerb aussetzen." Hinzu kam, dass die Brauerei dringend ein moderneres Rechenzentrum benötigte. Nahezu zeitgleich stellte die SWB AG ähnliche Überlegungen hinsichtlich ihrer IT-Mannschaft an. Im Gegensatz zu den Kollegen von Beck ist die IT-Abteilung von SWB & Co. bereits seit fünf Jahren als internes Profit-Center ausgerichtet gewesen. Zudem verfügt man dort über ein großes Rechenzentrum.

Trotz der gebündelten Kräfte traute man sich allerdings einen Alleingang im IT-Dienstleistungsgeschäft nicht zu. Denn die große Herausforderung wird im Aufbau des Drittgeschäfts liegen. Dass dies in der Tat ein schwieriges Unterfangen ist, haben schon ganz andere verselbständigte IT-Dienstleister erfahren müssen, wie allein das jahrelange vergebliche Bemühen des Daimler-Chrysler-Ablegers Debis Systemhaus gezeigt hat. Ein Dritter im Bunde musste somit her - und den fand man in der Hamburger Unternehmensberatung pdv. Der Consulting-Gesellschaft hat es vor allem der RZ-Betrieb angetan, den sie bislang noch nicht im Portfolio führt. Alle drei Unternehmen sind bis Ende 2003 je zu einem Drittel an der Nord IT beteiligt und stellen auch die Geschäftsführer.

Bei Null fängt der Newcomer somit nicht an. Derzeit stehen rund 90 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste - davon kommen mehr als 50 von SWB, 25 von Beck und fünf von pdw. Fünf Mitarbeiter wurden neu eingestellt. Das Umsatzpotenzial beläuft sich auf rund 35 Millionen Mark. "Damit", konstatiert Mitgeschäftsführer Horst Wehrenberg, "sind wir jetzt schon einer der größten IT-Dienstleister Norddeutschlands." In dieser Region - nämlich von der Elbe bis zur Ems - will sich die Nord IT vorerst auch ausschließlich profilieren. Und dies soll vornehmlich bei den dort ansässigen mittelständischen Unternehmen geschehen. Ihnen bietet die Nord IT branchenübergreifend sowohl Consulting rund um SAP, Internet und E-Business sowie Rechnernetze und Kommunikationssysteme als auch Outsourcing und Customer Care an. "In der schnelllebigen IT kommt ein mittelständisches Unternehmen heute kaum noch mit", untermauerte Reiner Nochowitz, der neben seinem Job bei der Nord IT weiterhin das Amt des pdv-Geschäftsführers bekleidet, vor Journalisten in Bremen die Business-Strategie.

Erst einmal aber hängt der Newcomer am Tropf der Gesellschafterunternehmen. Zwar steht man auch dort von Beginn an im Wettbewerb mit anderen IT-Service-Anbietern, dass die Nord IT aber zumindest vorerst gewisse Vorzüge genießen wird, dürfte schon aufgrund der bestehenden Gesellschafterverträge nicht von der Hand zu weisen sein. Allerdings läuft man damit auch Gefahr, für die IT-Belange beider Mütter derart eingespannt zu werden, dass für den Aufbau des Drittgeschäfts wenig Zeit bleibt.

Dies zu verhindern ist wiederum Sache der pdv. Von ihrer Klientel will die Nord IT kräftig profitieren. So hat man sich für das nächste Jahr zum Ziel gesetzt, auf eine Drittkundengeschäftsquote von 20 Prozent zu kommen. Bei einem angepeilten Umsatz von rund 43 Millionen Mark würde dies rund acht Millionen Mark bedeuten. Zudem sollen vor allem die externen Aktivitäten dann auch schon nennenswerte Gewinne abwerfen. Für 2002 ist die Steigerung des Drittkundenanteils auf 30 bis 35 Prozent geplant.

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.