Super-Kamera und Billig-Smartphone

Nokia haut auf die Pauke

27.02.2012
Der schwächelnde Handy-Weltmarktführer Nokia will Kunden mit einer Kamera der Superlative in seinen Telefonen und günstigen Windows-Smartphones gewinnen.
Das Nokia "808 Pureview" kommt mit einem 41-MP-Sensor, aber "nur" Symbian als Betriebssystem.
Das Nokia "808 Pureview" kommt mit einem 41-MP-Sensor, aber "nur" Symbian als Betriebssystem.
Foto: Nokia

Das neue Nokia-Modell 808 "Pureview" hat einen Bildsensor mit 41 Megapixeln - weit mehr als die meisten aktuellen Verbraucher-Kameras. Eine spezielle Software soll dafür sorgen, dass die Bilddateien trotz der vielen Bildpunkte kompakt bleiben können: Dabei werde von sieben Pixeln einer ausgesucht. Die "Pureview"-Technologie solle in Zukunft in weitere Modelle einziehen, kündigte Nokia am Montag beim Mobile World Congress in Barcelona an.

Bei Smartphones haben sich 8-Megapixel-Kameras als Standard etabliert. Die Bildqualität einer Digitalkamera hängt allerdings von mehreren Faktoren ab. Die Pixelzahl allein lässt keine Qualitätsaussage zu. Das 808 läuft mit dem betagten Nokia-Betriebssystem Symbian, das einst den Smartphone-Markt dominierte und jetzt als Auslaufmodell gilt. Das Foto-Handy soll 450 Euro kosten.

Das "Lumia 610" wird das bislang günstigste Windows Phone - dank abgespeckter Hardware-Specs.
Das "Lumia 610" wird das bislang günstigste Windows Phone - dank abgespeckter Hardware-Specs.
Foto: Nokia

Ein Jahr nach dem Sprung von Nokia ins Lager von Microsofts Smartphone-Plattform Windows Phone wird jetzt die Strategie der Finnen deutlich. Den teuren Lumia-Smartphones, die mit Apples iPhone oder Top-Modellen mit dem Google -Betriebssystem Android konkurrieren sollen, werden günstige Telefone zu Seite gestellt, um die angestammte Stellung in Entwicklungsländern zu verteidigen. Hier ist Nokia nach wie vor stark - aber mit dem Vormarsch von Rivalen wie Samsung und erwarteten günstigen Android-Smartphones von chinesischen Herstellern wie ZTE steigt die Konkurrenz.

Nokia tritt dagegen unter anderem mit dem bisher günstigsten Windows-Phone-Telefon "Lumia 610" an, das 189 Euro kosten wird. Es soll auch in Deutschland auf den Markt kommen. Zudem stellten die Finnen in Barcelona mehrere einfache Handys der Serie Asha vor. Die Telefone seien "schneller als viele einfachere Androiden", verkündete die zuständige Nokia-Managerin Mary McDowell. Das in den USA bereits zur CES angekündigte "Lumia 900" kommt auch in Europa auf den Markt, allerdings ohne 4G / LTE, sondern "nur" mit DC-HSPA. Das Lumia 900 für 480 Euro plus landesspezifischer Mehrwertsteuer hat anders als das aktuelle Topmodell "Lumia 800" eine Front Facing Camera und kann damit auch die neue Skype-App für Windows Phone für Videogespräche nutzen.

Das "Lumia 900" kommt ohne LTE nach Europa.
Das "Lumia 900" kommt ohne LTE nach Europa.
Foto: Nokia

Die Kunden anlocken soll auch eine Auswahl an Diensten unter der Dachmarke "Nokia Life". So kann man zum Beispiel medizinische Fragen bei einem Call-Center loswerden. Außerdem können Asha-Käufer sich in den ersten zwei Monaten kostenlos 40 Spiele des Anbieters Electronic Arts im Wert von 75 Euro herunterladen. Der populäre Messaging-Dienst WhatsApp ist gleich vorinstalliert - ein weiterer Schlag gegen die Mobilfunk-Anbieter, für die SMS-Gebühren eine sehr wichtige Einnahmequelle sind.

Nokia steht im Smartphone-Geschäft massiv unter Druck. Während Symbian rasant Marktanteile verliert, kamen die ersten Windows-Phone-Geräte der Finnen Mitte November auf den Markt. Bis Jahresende wurde knapp eine Million Lumia-Smartphones verkauft. Das reichte zwar auf, um größter Windows-Phone-Hersteller zu werden - die Microsoft -Betriebssysteme hielten am Smartphone-Markt aber auch danach noch einen Anteil von weniger als zwei Prozent. Analysten rechnen damit, dass es einige Jahre dauern könnte, bis sich die beiden Partner spürbare Marktanteile erkämpfen können. Nokia und Microsoft betonen aber, einen langen Atem zu haben. (dpa/tc)