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Studie zu Digitalisierung und IoT

Noch zu wenig „Digitalisierungskompetenz“

10.06.2016
Die Fähigkeit, Prozesse zu digitalisieren und digitale Geschäftsmodelle umzusetzen, spielt eine zentrale Rolle für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Dabei geht es sowohl um die Frage, wie die Verantwortung für die Digitalisierung innerhalb der Betriebsorganisation verankert wird, als auch darum, wie agile Strukturen zur zügigen Umsetzung der digitalen Transformation aufgebaut werden können.

Für die Studie "Digitalisierung und Internet of Things (IoT) - Anforderungen an agile Organisationen" hat die Managementberatung Detecon in Zusammenarbeit mit dem Digitalverband Bitkom mehr als 200 IT- und Business-Entscheider großer und mittelgroßer Unternehmen im deutschsprachigen Raum befragt.

Mehr als die Hälfte der für die Studie von Detecon befragten Unternehmen beobachten bereits eine grundlegende Veränderung ihres Geschäftsmodells und berücksichtigen schon jetzt die Themen Digitalisierung und Internet of Things (IoT) bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Geschäftsstrategie. Weitere 30 Prozent planen dies in den nächsten 36 Monaten, nur rund 20 Prozent sehen derzeit keinerlei Handlungsbedarf.

Wie wichtig diese Frage für die Unternehmen ist, spiegelt sich auch in den Verantwortlichkeiten wieder: Die überwiegende Mehrheit sieht die Gesamtverantwortung für Planung und Umsetzung von IoT-Projekten weiterhin beim CEO und CIO. Auf die Frage, wie die Herausforderungen durch Digitalisierung und IoT gelöste werden können, zeichnet sich ein klarer Trend ab: Viele Unternehmen streben eine verstärkte Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern, Partnern, Kunden und Branchenverbänden an.

So wird sich nach den Ergebnissen der Studie der externe Leistungsbezug über spezialisierte Beratungshäuser für digitale Geschäftsmodelle in den nächsten zwölf Monaten um 23 Prozent auf dann 45 Prozent erhöhen. Der externe Leistungsbezug für digitale Technologien wird in diesem Zeitraum von 34 Prozent auf 52 Prozent ansteigen. Darüber hinaus planen acht Prozent der Unternehmen, sich an innovativen Start-Ups zu beteiligen, weitere 39 Prozent halten dies für sinnvoll, haben aber noch keine konkreten Pläne. Die Hälfte der Befragten will innerhalb des nächsten Jahres (jetzt 29 Prozent) die Zusammenarbeit mit Branchenverbänden intensivieren.

Innerhalb der Unternehmen geht es vor allem um den zügigen Aufbau einer agilen Organisation. "Unternehmen müssen zukünftig in zwei 'Betriebsmodi' gleichzeitig agieren können", schreiben die Studienautoren. Auf der einen Seite müsse ein Unternehmen Start-Up-Qualitäten entwickeln, innovativ und schnell handeln können, auf der anderen Seite aber auch weiterhin langfristig planen und standardisiert vorgehen, um Zuverlässigkeit und Qualität im Kerngeschäft sicherzustellen.

Digitalisierung verlangt "Bi-Modale IT"

Die bisherige IT-Maxime Plan-Build-Run müsse deshalb durch das Konstrukt "Make-Buy-Partner" ergänzt werden, weil die Digitalisierung Innovationen in hoher Geschwindigkeit erfordere. Die Bi-Modale IT unterscheide zwischen langsam drehenden IT-Applikationen und Technologien, welche weiterhin im gewohnten Lebenszyklus und in traditioneller Weise geplant und ausgerollt werden. Neue Geschäftsmodelle dagegen seien viel schnelllebiger. Hier brauche es Freiraum für die Anwendung von technischen Innovationen und enger Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen, um die Digitalisierungspotentiale für Produkte und Prozesse agil zu verwirklichen. Um Chancen in der digitalen Welt wahrnehmen zu können, dürften diese nicht mehr durch aufwändige Planungs- und Budgetierungsprozesse behindert werden. Laut Studie wird sich der Anteil agiler Strukturen in den Unternehmen im Vergleich zu heute verdreifachen.

Den Einstieg in die Digitalisierung suchen viele Unternehmen mit Pilotprojekten und dem Aufbau von strategischen Partnerschaften. Im Zuge dieser Projekte nimmt die IT-Durchdringung der fachlichen Bereiche eines Unternehmens zu und gewinnt durch die Digitalisierung zusätzlich an Geschwindigkeit; gleichzeitig werden die fachlichen Anforderungen auf der Supply-Seite verstärkt. Auf der anderen Seite sehen die Unternehmen die Notwendigkeit, mit entsprechenden Aktivitäten technologisch aufzurüsten: So sind sich rund 90 Prozent der Befragten der herausragenden Bedeutung bewusst, die der technologischen Umsetzung von IoT-Geschäftsmodellen zukommt.

"Mit den wachsenden Ansprüchen des technologischen Informationsmanagements geht die Konsolidierung der IT, Technik und Produkt-IT sowohl auf der operativen als auch der Management-Ebene einher", schreiben die Studienautoren. Um diesen Ansprüchen heute zu genügen, setzen ein Drittel der befragten Unternehmen auf strategische Partnerschaften zur Entwicklung neuer Produkte, Lösungen und Technologien.

Digitalisierung ohne Chief Digital Officer

Für die oft geäußerte Annahme, dass die Installation eines Chief Digital Officers (CDO) notwendig sei, um die Digitalisierung gezielt voranzutreiben, finden sich in der Detecon-Studie keine Belege. Hier zeigen sich die Unternehmen nach wie vor den traditionellen Rollen des CEO und CIO verhaftet. Es ist kein Trend erkennbar, die Haupt- oder Teilverantwortung der digitalen Strategie bei einem CDO anzusiedeln.

Tatsächlich wird von der überwiegenden Mehrheit der Befragten die Gesamtverantwortung für die Planung und Umsetzung von IoT-Projekten beim CEO und eine Teilverantwortung beim CIO gesehen. Die Rollen "Leiter Strategie/Business Development" sowie "Leiter Forschung und Entwicklung" belegen im Rahmen einer Teilverantwortung die nachfolgenden Plätze. Nach Einschätzung der Studienautoren deutet dies zumindest darauf hin, dass die Unternehmen erkannt hätten, dass die Verantwortung für die Digitalisierung auf oberster Management-Ebene angesiedelt sein sollte.

Insgesamt werde die Digitalisierung zu neuen Wegen der Zusammenarbeit, neuen Organisationsmodellen sowie einer veränderten Gestaltung der Arbeit führen. Besonders der Trend zum Arbeiten ohne räumliche und zeitliche Grenzen, den die Digitalisierung möglich mache, werde sich massiv auf das traditionelle Führungs- und Organisationsmodelle auswirken. Darüber hinaus verstärkt die Digitalisierung die "Entmaterialisierung": Wurde die Identität eines Unternehmens bisher vor allem durch zugehörige Fabriken und Maschinen definiert, werde sie zukünftig immer mehr durch Mitarbeiter und "Code" - zum Beispiel Software - bestimmt.

Ausprägung der Digitalisierungskompetenz im Unternehmen Heute vs. 2025
Ausprägung der Digitalisierungskompetenz im Unternehmen Heute vs. 2025
Foto: Detecon

Darüber hinaus werde sich die Geschwindigkeit des Wandels drastisch erhöhen. "Früher waren alle 10 bis 20 Jahre technologische Sprünge zu verzeichnen, heute realisieren sie sich bereits alle drei bis fünf Jahre", schreiben die Experten von Detecon. Unternehmen müssten sich deshalb im "Ökosystem Digitalisierung" neu organisieren. Entscheidend dafür sei die Verbesserung der "Digitalisierungskompetenz", die das Wissen, die Vorstellungskraft und das Urteilsvermögen über digitale Entwicklungen und deren Umsetzung im Kontext der jeweiligen Branche und des Geschäftsfeldes umfasse. An der digitalen Transformation geht nach Einschätzung der Autoren der Studie kein Weg vorbei: Digitalisierung und das IoT würden zur unabdingbaren Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und zukünftigen Geschäftserfolg.