Fixed Mobile Convergence

Noch fehlen durchgängige FMC-Lösungen

Oliver Häußler arbeitet als freier Journalist und Moderator in der IT- und Telekommunikationsbranche. Seine journalistischen, wirtschaftlichen und technischen Erfahrungen sammelte der Kommunikationswissenschaftler während seiner über 20 Jahre langen Tätigkeit als Chefredakteur von renommierten Fachzeitschriften wie der Funkschau, FunkschauHandel, NetworkWorld und als Moderator von Kongressen, Webcasts und zahlreichen Podiumsdiskussionen.
Fixed Mobile Convergence (FMC) steht für netzeübergreifende Kommunikationsanwendungen. Die funktionieren bisher aber nur vereinzelt. Bis der Anwender mit einem einzigen Gerät komfortabel und plattformunabhängig kommunizieren kann, vergeht noch Zeit.

Noch immer ist die TK-Welt zweigeteilt in IP- und Mobilfunknetze. Es existiert keine einheitliche Technologiebasis für die Kommunikation. Wer Mobilfunkanwendungen mit Netzwerkapplikationen verbinden will, muss hohe Hürden überwinden. "Die Vielfalt der mobilen Plattformen - anders als im PC-Markt dominiert keine einheitliche Systemumgebung - behindert den Markt für mobile Applikationen und damit auch das FMC-Business", sagt Thomas Köhler, Fachautor und Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft CE21 Gesellschaft für Kommunikationsberatung mbH. Außerdem erschwerten die geringe Plattformstabilität und der Betriebssystem-Wildwuchs bei den Mobilfunkendgeräten die Bereitstellung von Applikationen für die Enterprise-Mobility. Die Folge ist laut Köhler: "Kein Anbieter hat bisher eine durchgängige Lösung, die alle wesentlichen Anforderungen an Enterprise Mobility, das heißt vollständigen Funktionsumfang und gleichartiges User Interface für Fest- und Mobilendgeräte, abdeckt."

'Wer braucht im Zeitalter einer Mobile PBX eigentlich überhaupt noch das Festnetz?'
'Wer braucht im Zeitalter einer Mobile PBX eigentlich überhaupt noch das Festnetz?'
Foto: Köhler

Da immer mehr mobil telefoniert wird, sind Unternehmen laut Köhler zunehmend darauf angewiesen, mobile Lösungen in ihre IP-Kommunikations-Systeme zu integrieren. 48 Prozent der Unternehmen betrachten eine Mobilitätsstrategie als Schlüsselfaktor für mehr Wachstum, erkannte das Marktforschungsinstitut Forrester Research.

Mobilfunkanbieter bremsen Entwicklung aus

Für die langsame FMC-Entwicklung macht Köhler die Politik der Netzbetreiber verantwortlich: "Die Mobilfunkanbieter sind bisher eher Bremser der Entwicklung im Hinblick auf Tarife sowie die fehlende Integration mit Festnetzanbietern, selbst wenn diese etwa im Fall von Arcor und Vodafone im gleichen Konzern angesiedelt sind."

Die rasante Entwicklung im Konsumentenmarkt wie die Vermarktung des 3G-Internet-Telefons mit integriertem Skype-Client durch den Netzanbieter 3 in Großbritannien und Österreich könnte die Carrier und PBX-Lösungsanbieter motivieren, bald auch bessere Lösungen für Unternehmenskunden auf den Markt zu bringen. Schon heute sind Mobilfunktelefonate so verbreitet, dass Berater Köhler ketzerisch fragt: "Wer braucht im Zeitalter einer Mobile PBX eigentlich überhaupt noch das Festnetz?" Diese auch "Virtual PBX" genannten Systeme verbinden Mobilfunkgeräte zu einer logischen TK-Anlage und werden typischerweise als netzbasierter Service angeboten. Sie beinhalten zumeist einen Web-gestützten Vermittlungsplatz, aber keine weiteren festnetzbezogenen Infrastrukturkomponenten.

Auf Applikationsebene - das zeigen 3 Skypephone, "Mobile-PBX"-Systeme sowie konzeptionell verwandte Service-Infrastrukturen wie etwa die von RIM (Blackberry) - wäre FMC heute schon möglich. Auf Netzebene wird eine homogene Lösung erst mit dem UMTS-Nachfolger, dem "Super-3G-Netz", realisiert werden. Die Technik ist auch unter der Bezeichnung 3GPP Long Term Evolution (LTE) bekannt. LTE ermöglicht neben Sprache auch interaktive Dienste sowie hohe Datenraten für IPTV. Die Alternativtechnologie dazu ist Wimax auf Basis des Standards 802.16e.

Durch die ITK-Branche muss ein Ruck gehen

Die starke Nachfrage erfordert auch in der ITK-Politik einen Ruck, wie ihn der frühere Bundespräsident Roman Herzog für die deutsche Politik forderte. Vielleicht könnte der nächste angekündigte Trend mit den so genannten Femtocells bewirken. Das sind Mobilfunkzellen, die mit WLAN-Access-Points vergleichbar sind und innerhalb von Gebäuden für eine Verbesserung der Funkabdeckung für Mobilfunksysteme sorgen. Femtocells sind mit dem nächsten Knoten des Mobilfunkanbieters über DSL oder andere breitbandige Festnetztechnologien verbunden. Köhler glaubt, dass Femtocells in Kombination mit neuartigen Tarifmodellen die TK-Industrie grundlegend verändern könnten. (mb)