EU-Pläne

Niedrigere Roaming-Gebühren - ein Pyrrhussieg für Verbraucher

13.09.2013
Die EU will Telekomanbieter dazu bringen, Roaming-Gebühren für das Telefonieren im Ausland zu senken oder ganz darauf zu verzichten. Damit soll der Wettbewerb unter den Netzbetreibern angeheizt und Investionen in den dringend erforderlichen Ausbau der Netze attraktiver werden. So gibt es für die Europäische Kommission am Ende nur Gewinner: Verbraucher zahlen weniger, Netzbetreiber machen ihre Netze und sich selbst zukunftsfähig. Es besteht aber die Gefahr, dass der Schuss nach hinten losgeht.
Der Wegfall der Roaming-Einnahmen könnte tiefe Löcher in den Taschen der Mobilfunk-Carrier reißen.
Der Wegfall der Roaming-Einnahmen könnte tiefe Löcher in den Taschen der Mobilfunk-Carrier reißen.
Foto: Fonic

Im kurzfristigen Interesse der Telefonierer ist ein weitgehender Wegfall der Roaming-Gebühren allemal, doch auf mittlere Sicht könnte es sich als Pyrrhussieg heraus stellen. Der Branchenverband Bitkom warnt: "Die Netzbetreiber sind auf die Erlöse aus dem Roaming dringend angewiesen, um die anstehenden Milliardeninvestitionen in den Netzausbau stemmen zu können." Die Einschätzung des Branchenverbandes kommt nicht von ungefähr: Bereits jetzt hinkt der Ausbau der Mobilfunknetze der neuen Generation (LTE) in vielen Ländern Europas meilenweit hinter den USA, Asien und selbst einigen Ländern Afrikas hinterher.

Sollte der EU-Vorschlag durchgehen, dürften Unternehmen den Wegfall dieser Einnahmen ausgleichen, indem sie die Kosten noch weiter drücken, befürchten Experten. Das geht am einfachsten beim Service und bei Ausgaben für die Infrastruktur. Einen Vorgeschmack davon hat Deutschland bereits bekommen. Nachdem Regulierer hierzulande Telekomunternehmen zu immer niedrigeren Preisen gezwungen haben, gingen die Investitionen in die Infrastruktur in den vergangenen fünf Jahren sukzessive zurück.

Zusätzlich verschärft wurde die Lage in Deutschland durch die kostspielige Vergabe neuer Frequenzen - die auch noch nur befristet vergeben werden. Da die Telekombetreiber diese zum Beispiel nicht einfach auf LTE umwidmen können, müssen die Unternehmen immer wieder neue Lizenzen erwerben. Ein erheblicher Kostenfaktor.

EU-Kommissarin Neelie Kroes setzt nun darauf, dass die Investitionen beim Wegfall der Roaming-Gebühren trotzdem steigen werden. Ihr Kalkül: Mehr Wettbewerb in Europa sorgt nicht nur für niedrigere Preise, sondern auch für mehr Investitionen.

Doch das ist zumindest in Europa bisher nicht der Fall. Hierzulande setzen Kunden vor allem auf günstige Tarife und nicht so sehr auf eine gute Netzqualität. Anders sieht es in den USA aus. Dort zahlen Handytelefonierer das Doppelte von dem, was auf der anderen Seite des Atlantik entrichtet wird. Und da viele Amerikaner auf eine gute Netzqualität achten, überbieten sich die Telekomunternehmen dort gegenseitig mit Investitionen in die Infrastruktur.

Mörderischer Mobilfunkmarkt

Niedrige Preise und wegfallende Roaming-Gebühren freut die Verbraucher - doch der Markt kann dann die bisherige Anzahl von Anbietern unter Umständen nicht mehr ernähren. Das ist in Deutschland bereits heute der Fall - wie die Übernahmepläne von O2 und E-Plus zeigen. Im Schatten der Platzhirsche T-Mobile und Vofafone hatten die beiden kleineren Telekomanbieter jahrelang versucht, Marktanteile mit immer niedrigeren Preisen zu erringen - mit gemischten Erfolg. Besonders rentabel war das Geschäft nicht. Nun wollen die beiden zusammengehen und sich die Kosten für Netze und Verwaltung teilen.

Ein Trend zur Konsolidierung ist aber auch nicht im Interesse der Regulierer. In der Regel sollten in großen Ländern mindestens vier Anbieter um die Gunst der Kunden buhlen, sagt etwa Kartellamtschef Andreas Mundt. Sonst würde der Wettbewerb leiden. (dpa/mb)