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Niederländer betrügt Anleger mit angeblichem Google-Börsengang

18.05.2004

Lange bevor Google im vergangenen Monat tatsächlich seinen Börsengang vorbereitete, hat ein Niederländer bereits im vergangenen Jahr mehrere finanzkräftige Kapitalanleger geködert. Er versprach den Investoren, sie könnten in der Bookbuilding-Phase Aktien zeichnen zu Konditionen, die Freunden und Bekannten der Google-Gründer vorbehalten seien. Der Preis pro Anteil betrug zwölf Dollar. Mindestens fünf Kapitalanleger gingen auf das windige Angebot von Shamoon Rafiq ein und überwiesen ihm insgesamt rund 500.000 Dollar. Den größten Teil dieses Geldes hat Rafiq mit Frauen, für teure Geschenke an Freunde, exklusive Reisen und Besuche in hippen Clubs schon durchgebracht. Jetzt drohen ihm fünf Jahre Haft.

Als im vergangenen Jahr erste Spekulationen auftauchten, der Suchmaschinenanbieter Google werde an die Börse gehen, nutzte Rafiq die Geldgier vermögender Investoren für seine Betrügereien. Er traf sich in New York mit Interessierten und gab vor, ein Wagniskapitalist und alter Studienkollege der Google-Gründer zu sein. Über diese Verbindung könne er auch ein bevorzugtes Aktienangebot machen, das nur Freunden und Familienmitgliedern der Google-Gründer offen stehe. Rafiq, der laut "Wall Street Journal" als Business Development Manager bei der British Telecom arbeitet, konnte auf diese Weise rund eine halbe Million Dollar kassieren. Zu den gutgläubigen Zahlern gehörten unter anderem der Rechtsanwalt einer europäischen Telekommunikations-Firma, ein Investment-Banker, ein Senior Broker sowie der Aufsichtsratsvorsitzende eines global agierenden Carriers.

Der Betrug flog auf, als der Investment-Banker Zweifel bekam, ob der Deal einwandfrei sei und sein Geld zurück verlangte. Das Federal Bureau of Investigation (FBI) nahm Rafiq im März 2004 fest, kurz bevor er von New York wieder in die Niederlande fliegen wollte. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Betrüger innerhalb von drei Monaten bereits 350.000 Dollar ausgegeben. Er schenkte Freunden teure Uhren, ließ Striperinnen und Models einfliegen, beschenkte Angestellte in Nobelrestaurants und Hotels mit 100-Dollar-Trinkgeldern und zeigte sich in New Yorker Szeneclubs.

Rafiq hat sich vor einem eigentlichen Verfahren der Delikte für schuldig bekannt und arbeitet mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen. Deshalb könnte sein Strafmaß auf fünf statt der sonst wahrscheinlichen sieben Jahre Haft reduziert werden. Der Betrüger hat beantragt, seine Strafe in den Niederlanden absitzen zu dürfen. Er beruft sich dabei auf ein internationales Abkommen, das die Verurteilung von Niederländern in den USA regelt. Diesem Antrag wollen die US-Behörden aber nicht stattgeben. (jm)