Karrierestrategien

Nie mehr bewerben

10.03.2008
Die E-Mail-Bewerbung hat ausgedient. Die Zukunft gehört dem Zentrallebenslauf, der gekauften Empfehlung und der Guerilla-Selbstdarstellung.

Wer etwas kann, ist im Web in Erscheinung getreten", so Felix Petersen, Gründer der Berliner Web-2.0-Plattform Plazes.com. Wer in Erscheinung tritt, tut dies am besten mit Kompetenzbeweisen in einschlägigen Foren - und nicht etwa wodka-trinkend und leicht bekleidet bei StudiVZ. Womit die beiden Gegenpole des Web 2.0 auch schon aufgezeigt wären: Der Nutzwert aus Karrieresicht liegt vor allem darin begründet, dass kompetente Zeitgenossen sich nicht mehr bewerben müssen, sondern von den Unternehmen angesprochen werden. Die Gefahr lauert dort, wo vergessen wird, dass das Internet, wo echte Namen verwendet werden, niemals privat ist und Ausrutscher nicht vergisst.

Sechs Trends zeichnen sich rund um die neuen Formen der Bewerbung im Web 2.0 ab.

1. Finden lassen

Gerhard Pfeiffer, Inhaber der Zeitarbeitsfirma SZA mbH für technisches Personal in Hamburg, hat seine Assistentin über Xing gefunden. "Dazu habe ich die Stichwörter neue Herausforderung und Hamburg eingegeben", sagt er. Als Ergebnis erhielt er eine lange Liste. Entscheidend für seine Wahl war dann die Präsentation der Erfahrungen und Qualifikationen. Auch CNC-Dreher oder Lotus-Programmierer sucht Pfeiffer online. "Doch leider sind die nichtakademischen Kräfte auf diesem Weg noch nicht so gut zu finden."

Warum Anzeigen schalten, wenn es auch ohne geht? Gerade die kleineren Unternehmen setzen immer mehr auf das Netz. Hier akquiriert der Chef sein Personal noch selbst: "Wenn wir in den Foren einen guten Entwickler treffen, sprechen wir ihn direkt an", sagt Björn Schotte von der Mayflower GmbH mit Standorten in Würzburg und München.

Buchtipp

Die Karriereberaterin Svenja Hofert ist seit vielen Jahren auf IT und Medien spezialisiert. Sie hat 18 Bücher für Freiberufler und Angestellte geschrieben, unter anderem 1998 das erste Buch zur Internet-Bewerbung überhaupt - in neuer Auflage immer noch erhältlich.

Ihr im März 2008 bei Eichborn erscheinender Ratgeber "Jobsuche und Bewerbung im Web 2.0" (ISBN: 3821859512, 9,80 Euro) ist ebenfalls das erste Buch zu diesem Thema. Es enthält viele Tipps und konkrete Anleitungen für alle, die latent oder offen auf Jobsuche sind - oder mit Hilfe des Internets etwas für ihre Karriere tun möchten.

"Wer latent auf Jobsuche ist, sollte überprüfen, ob sich ein Engagement im Netz lohnt, und wenn ja, auf welchen Web-Seiten", empfiehlt Buchautorin und Karriereberaterin Svenja Hofert. Generell gelte: Weniger ist mehr. Entwickler und andere ITler, die sich auf Plattformen oder in Blogs mit guten Fachbeiträgen einbrächten, müssten dies auf Dauer tun - und parallel intensiv über eine sinnvolle Selbstpräsentation nachdenken. Das Nachdenken beginnt dabei mit der Frage, wer einen finden soll und unter welchem Stichwort.

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