Studie zur "geplanten Obsoleszenz"

Nichts spricht für fest verbaute Akkus

15.02.2016
Elektronische Geräte werden immer früher ausgetauscht – ist das von den Herstellern geplant? Öko-Institut e.V. und Wissenschaftler der Universität Bonn fordern nach der Auswertung einer Studie, dass die Politik Hersteller zu mehr Transparenz zwingt, um Lebens- und Nutzungsdauer von Produkten zu verlängern. Das käme nicht nur den Nutzern zugute, sondern auch der Umwelt.
Smartphones mit fest verbautem Akku erschweren eine längere Nutzung, bzw. machen sie teurer.
Smartphones mit fest verbautem Akku erschweren eine längere Nutzung, bzw. machen sie teurer.
Foto: Maxx-Studio - www.shutterstock.com

Man kauft einen Fernseher und der geht gefühlt zwei Wochen nach Ablauf der Garantie kaputt - so oder so ähnlich ist es wohl schon vielen Menschen oder zumindest jemandem im Freundes- oder Bekanntenkreis schon mal passiert. Denn die Lebensdauer von elektronischen Geräten scheint in den letzten Jahren immer weiter abzunehmen. Das geht sogar so weit, dass von einer "geplanten Obsoleszenz", also einer absichtlich verkürzten Lebensdauer der Geräte, die Rede ist. Eine Studie von Öko Institut e.V. und der Universität Bonn hat das empirisch untersucht.

Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass es einerseits zwischen 2004 und 2012 tatsächlich eine Steigerung des Prozentsatzes von 3,5 Prozent auf 8,3 Prozent bei elektronischen Geräten gegeben hat, die innerhalb der ersten fünf Jahre wegen eines Defektes ausgetauscht werden mussten. Andererseits tauschen Verbraucher auch immer mehr Geräte aus, obwohl das noch gar nicht nötig ist. Das wirkt sich negativ auf den kumulierten Energieaufwand und die CO2-Bilanz der Geräte aus. So verursacht eine langlebige Waschmaschine 700 bis 1.000 kg weniger Treibhausemissionen als eine kurzlebige, ein entsprechendes Notebook etwa 300 kg und ein Fernseher 600 kg weniger. Ausgewertet wurden dabei Haushaltsgroß- und -kleingeräte, Geräte aus der Unterhaltungselektronik sowie von Informations- und Kommunikationstechnologie.

Gibt es wirklich eine geplante Obsoleszenz?

Eine absichtliche Manipulation der Hersteller mit dem Ziel, nach möglichst kurzer Zeit nach Ende der Garantiezeit Defekte hervorzurufen, konnte die Studie nicht belegen. Vielmehr planen Hersteller die Belastbarkeit ihrer Produkte, aus der sich dann die zu erwartende Lebensdauer und die Kosten des Produkts ergeben. Abhängig von der realen Belastung kann die Lebensdauer dann kürzer oder länger ausfallen - die Produkte sollen also so lange wie nötig, nicht aber so lange wie möglich halten. Auch die Stiftung Warentest hatte das bereits vor einigen Jahren herausgefunden. Das Problem dabei: Für den Endkunden ist das vor dem Kauf nicht ersichtlich, denn der Preis lässt keinen Rückschluss auf die Haltbarkeit eines Gerätes zu. Das Umweltbundesamt fordert daher mehr Transparenz, etwa eine einheitliche Angabe der voraussichtlichen Nutzungsstunden. Außerdem fordert es einen Anreiz, Produkte länger zu nutzen.

Gründe für den Austausch von Haushaltsgeräten
Gründe für den Austausch von Haushaltsgeräten
Foto: Öko Institut e.V.

Kein Grund für fest verbaute Akkus

Die Wissenschaftler der Studie haben Vorschläge gemacht, wie man durch Zusammenarbeit von Politik, Herstellern, Wissenschaft und Verbrauchern Verbesserungen erreichen kann. So empfehlen sie die Definition von Mindestanforderungen an Qualität und Haltbarkeit und die Entwicklung von Standards und Messnormen für Bauteile. Zusätzlich fordern sie Hersteller auf, für leichtere Reparatur ihrer Geräte zu sorgen und den Zugang zu Ersatzteilen zu erleichtern. Akkus in Smartphones und Notebooks sollten leicht selbst oder kostengünstig durch einen Fachbetrieb zu wechseln sein, denn nach Angaben von Studienführer Siddharth Prakash spricht "nichts für fest verbaute Akkus".

Als politisches Druckmittel sehen die Wissenschaftler die Ökodesign-Richtlinien der EU, in denen festgeschrieben werden könnte, wie lange Produkte mindestens halten müssten. Von Verbrauchern forderten die Studienmacher, nicht jedem Trend hinterherzulaufen und Geräte lieber länger zu nutzen. Hersteller sollten außerdem auf einen Teil des Profits verzichten und stattdessen langlebigere Produkte herstellen.

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