Mobile Payment

Nicht nur Berlin setzt auf NFC

Tillmann Braun ist freier Journalist und Kommunikationsberater für non-profit Organisationen und Unternehmen. Sein Fachgebiet sind innovative IT-Lösungen für die Vernetzung von Menschen und Maschinen. Zu seinen Spezialthemen gehören intelligente (Heim-)Netzwerke, Machine-to-Machine-Kommunikation, Mobile Payment, IT-Strategien und vielfältig einsetzbare Kommunikationssysteme.
Das Bezahlen per Smartphone ist in Deutschland stark im Kommen. Im ersten Quartal des Jahres wurde bereits fast jede dritte Online-Transaktion über ein mobiles Endgerät getätigt. In Berlin arbeitet man zudem daran, sich als Hauptstadt des kontaktlosen Bezahlens aufzustellen. Ein wichtiger Grundstein hierfür wurde bereits gelegt.

Mit der Initiative "NFC City Berlin" setzt man in der Hauptstadt wichtige Signale. Und nicht nur das. In Zusammenarbeit mit einflussreichen Partnern wie Galeria Kaufhof, Rewe, Penny, Obi, Kaiser's und Real hat die Initiative 2.000 Kassen in 500 Geschäften für den kontaktlosen Standard NFC fit gemacht. Somit haben Verbraucher in Berlin nunmehr 2.000 weitere Möglichkeiten, kontaktlos per Smartphone oder Tablet zu bezahlen. Unterstützt wird die Aktion sowohl von der Deutschen Telekom als auch von Telefónica, Vodafone und E-PLus.

Europäische Verbraucher haben in Sachen Mobile Payment per Smartphone gegenüber den USA die Nase vorn.
Europäische Verbraucher haben in Sachen Mobile Payment per Smartphone gegenüber den USA die Nase vorn.
Foto: Telekom

Mit neuen Terminals und damit Akzeptanzstellen schwindet nach und nach eine der größten Hürden für Mobiles Bezahlen, nämlich fehlende Akzeptanzstellen. Genau mit diesem Problem haben selbst Marktriesen wie Apple zu kämpfen. Zwar kann in den USA bereits an rund 700.000 Stellen mit Apple Pay bezahlt werden, unter anderem bei McDonalds, Bloomingdale's und Subway. Allerdings ist das für den gigantischen Markt USA weiterhin nur ein Bruchteil aller möglichen Partner im Handel.

Unter anderem aus diesem Grund setzt Samsung in den USA auf eine andere Strategie. Der südkoreanische Konzern hat in seine neusten Modelle wie dem Galaxy S6 eine Lösung integriert, die mit dem herkömmlichen Bezahlen per Magnetstreifen vergleichbar ist. Somit will Samsung nicht nur seinen Kunden die Möglichkeit geben, bequem an herkömmlichen Terminals bezahlen zu können, sondern auch unterbinden, dass Händler die Samsung-Lösung - wie bei Apple Pay - blockieren können. Laut Brancheninsidern ist es allerdings fraglich, ob Samsung seine Magnetstreifen-Technologie auch in Europa einsetzen wird, wo die Verbreitung von NFC-Terminals bereits wesentlich weiter ist als in den USA. Deshalb startet derzeit auch die Postbank in Kooperation mit Worldline ein Projekt, das Verbrauchern mit NFC-fähigen Smartphones erlaubt, an Visa payWave Terminals mobil zu bezahlen.

Anfängliche Skepsis nimmt ab

Viele Verbraucher in Deutschland dürften die neuen Vorstöße wie in Berlin begrüßen. Denn wie es scheint, nimmt die anfängliche Skepsis gegenüber Bezahlvorgängen über das eigene Smartphone oder Tablet ab. "Neue Studien deuten darauf hin, dass in Deutschland bereits nahezu jede dritte Online-Transaktion über mobile Endgeräte getätigt wird", berichtet Rudolf Linsenbarth, Mobile Payment-Experte beim Beratungsunternehmen Cocus. Damit liegen deutsche Kunden sogar knapp vor Verbrauchern in den USA.
In Großbritannien bezahlt sogar bereits fast jeder zweite Online-Kunde mobil - in den meisten Fällen über das eigene Smartphone. "Zwar bestehen Unterschiede zwischen Online-Transaktionen per Smartphone und dem Bezahlen mit dem Mobiltelefon an der Kasse", betont Linsenbarth, "aber dennoch ist deutlich zu erkennen, dass sich das Verhalten vieler Verbraucher ändert. Für Millionen von Menschen sind Smartphones und Tablets bereits ein multifunktionales Gerät, mit dem sie die unterschiedlichsten Tätigkeiten erledigen. Die anfängliche Zurückhaltung nimmt spürbar ab", so der Berater.

Bis sich mobiles Bezahlen tatsächlich flächendeckend durchsetzen wird, dürfte es aber noch ein wenig dauern. Denn selbst wenn immer mehr Verbraucher sich mit der Idee anfreunden: Noch gibt es zu viele unterschiedliche Lösungen und Interessen seitens der Anbieter beziehungsweise der Händler, die sich gegenseitig Steine in den Weg legen.

Was sich allerdings abzeichnet, ist, dass NFC in Deutschland und Europa die bestimmende Technologie sein wird. Beispielsweise werden mittlerweile alle neuen Mastercard-Terminals in Deutschland mit NFC-Konnektivität angeboten. Bis alle Mastercard-Terminals ausgetauscht beziehungsweise NFC-fähig sein werden, dürfte es zwar noch bis 2017 dauern. Die Entwicklung ist dennoch eindeutig. Das bedeutet auch, dass kontaktlose Karten wie Loyalty Cards, Gutscheine, Coupons und digitale Kassenbons schon bald Teil der NFC-basierten Mobile-Payment-Lösungen sein werden. "An der Implementierung des digitalen Kassenbons wird bereits gearbeitet", bestätigt Rudolf Linsenbarth. (bw)