NFC in der Praxis

NFC-Peripherie mit NFC-Handys verbinden

Harald Karcher ist freier Autor in München. Er testet mobile Geräte vom Handy bis zum Laptop und mobile Netze von WLAN bis zu LTE.
Der interessierte NFC-Handy-User kann sich seine NFC-Tags ganz leicht selber programmieren und auf die passenden Geräte kleben. Noch bequemer ist es, wenn sich schlau programmierte NFC-Module schon ab Werk in passenden Peripherie-Geräten befinden.

Immer mehr Drucker, Headsets, Lautsprecher, Kopfhörer, Freisprechanlagen oder Navigationssysteme sind vorab NFC-fähig gemacht und erlauben es dem Nutzer, damit über sein NFC-Smartphone durch einfaches Tappen, also Draufhalten, zu kommunizieren. Die Möglichkeiten sind vielfältig. In einem Szenario will der Anwender etwa ein hochauflösendes Foto oder ein umfangreiches PDF-Dokument von seinem Handy ausdrucken. Dazu hält er sein NFC-Handy direkt an einen NFC-Drucker: Das NFC-Handy schaltet daraufhin sein WLAN-Modul ein und funkt das Dokument per WLAN als druckbare Datei an den WLAN-Router. Der Router wiederum schickt die Druckdatei über LAN oder WLAN an den Drucker weiter, je nachdem, wie der Drucker mit dem Netz verbunden ist.

Die große Druckdatei selber wird also nicht über das schmalbandige NFC, sondern über das viel breitbandigere WLAN vom Handy in das Drucker-Netz gefunkt. NFC hilft nur beim Koppeln zwischen Handy und Drucker. Ansonsten würde der Ausdruck großer Dateien über NFC alleine viel zu lange dauern. Alternativ kann NFC auch helfen, eine direkte WLAN-Peer-to-Peer-Verbindung zwischen Handy und Drucker aufzubauen, sofern beide NFC-Geräte diesen WLAN-Modus beherrschen. Vorteil: Das Handy wird erst gar nicht in das große Firmennetz verkoppelt, sondern nur direkt mit dem Drucker, was aus Sicherheitsgründen vorteilhafter sein kann. So kann man auch betriebsfremden Gästen mal kurz einen drahtlosen Ausdruck auf dem Firmendrucker gestatten.

Wie druckt man direkt aus dem Handy?

Für das mobile Drucken aus Handys gibt es einen wachsenden Bedarf: Laut einer IDC-Studie vom März 2013 würden zwar 50 bis 75 Prozent der User gerne Dokumente von ihren Handys und Tablets ausdrucken. Über die Hälfte der befragten Smartphone-User und mehr als ein Drittel der Tablet-Nutzer wissen aber gar nicht, wie genau sie von ihren mobilen Geräten aus drucken können. Nur gut 25 Prozent der Handy-User und gut 50 Prozent der Tablet-User können laut IDC in Ihren Firmen direkt von ihren mobilen Geräten aus drucken. Man denke an Flugtickets, Reisepläne, Hotel-Reservierungen, die manch einer lieber in der Hand als nur auf dem Handy hat.

Drucker-Treiber für Handys und Wearables

Im Zeitalter der stationären PCs wusste fast jeder, wie man Dokumente vom PC oder Laptop auf den Drucker bringt. Oder man kannte jemand, der den Druckertreiber installierte. Oder die IT-Abteilung hat sich darum gekümmert. Bei mobilen Handys, Tablets und bald auch Wearable Devices wie Datenbrillen ist nicht immer klar, wie man Dokumente ausdrucken kann. In den mobilen Betriebssystemen Apple iOS, BlackBerry OS, Google Android und Windows Phone und den zugehörigen Apps sind Druckfunktionen nämlich nicht so weit entwickelt wie in den klassischen Betriebssystemen. Aus einem Handy musste man früher ja auch keine großen Dokumente drucken. Derweil sind aus bloßen Telefonier-Handys längst mächtige Smartphones mit Gigabit-Speichern und Quad-Core-Prozessoren geworden.

Mobile Print Alliance MOPRIA

Also haben sich vor allem Druckerfirmen wie Canon, Samsung, Xerox und der Weltmarktführer Hewlett Packard in der Mobile Print Alliance MOPRIA zusammengeschlossen, um private und geschäftliche User über das mobile Drucken aufzuklären und Standards für ein betont einfaches, mobiles Drucken durchzusetzen.

MOPRIA will dafür sorgen, dass alle druckrelevanten Schnittstellen zwischen mobilen Geräten, mobilen Betriebssystemen, mobilen Apps, mobilen Netzen, Druckdateien und stationären Druckern möglichst User-freundlich zusammen spielen. Dazu arbeitet MOPRIA eng mit dem NFC-Forum, der WiFi-Alliance, Handy-Herstellern, OS-Providern und Mobile App Entwicklern zusammen.

Heute müsse nämlich noch "jeder Druckerhersteller mit jedem einzelnen Mobilgeräteanbieter zusammenarbeiten, um ein Drucken zu ermöglichen. Die Folge sind verwirrende und komplexe Zertifizierungsprozesse, die die Druck- und Auswahlmöglichkeiten der Anwender beschränken", erklärt Karl Dueland, Vice President in der Solution Delivery Unit bei Xerox. Aktuell existierende Lösungen erfordern einen Treiber-Download vor der Verwendung eines Druckers. Die MOPRIA Alliance stelle ein standardisiertes Dateiformat zur Verfügung, um das Druckbild auch ohne Treiber an das Ausgabegerät zu übermitteln.