Reisepass ohne Fingerabdruck

Neulich in… einem Berliner Meldeamt

Simon verantwortet auf Computerwoche online redaktionell leitend überwiegend alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz. Er entwickelt darüber hinaus innovative Darstellungsformate, beschäftigt sich besonders gerne mit Datenanalyse und -visualisierung und steht für Reportagen und Interviews vor der Kamera. Außerdem betreut der studierte Media Producer den täglichen Früh-Newsletter der Computerwoche. Aufgaben in der Traffic- und Keyword-Analyse, dem Content Management sowie die inoffizielle Funktion "redaktioneller Fußballexperte" runden sein Profil ab.
Jeder elektronischer Reisepass braucht einen Fingerabdruck. Eine Berlinerin bekam ihren neuen Ausweis auch ohne und musste sich dafür nicht die Finger abhacken lassen.

Eine nicht näher bekannte Frau hat sich vor einiger Zeit an den Chaos Computer Club (CCC) gewandt, weil sie einen elektronischen Reisepass (ePass) benötigte, um in die USA zu reisen. Das "Problem": Sie wollte ihre Fingerabdrücke nicht erfasst wissen. Der CCC empfahl ihr, sich Sekundenkleber auf alle zehn Finger zu schmieren, und begleitete sie nach entsprechender Vorbereitung auf das zuständige Berliner Meldeamt.

Der Kleber machts: Dank Sekundenkleber ersparte sich eine Frau den elektronischen Fingerabdruck. Foto: Digitalstock/S. Behringer
Der Kleber machts: Dank Sekundenkleber ersparte sich eine Frau den elektronischen Fingerabdruck. Foto: Digitalstock/S. Behringer
Foto: Digitalstock

Was folgte, hätte sich kein Komödienstadler besser ausdenken können: Der Kleber verhinderte, dass die Finger der Frau auf Anhieb in das Lesegerät der Behörde eingelesen werden konnten. Mehrere Beamte versuchten im Folgenden ihr Glück und starteten das Lesegerät gleich dreimal neu - erfolglos.

Die Frau ohne Finger

Nachdem auch ein Ersatzgerät nicht funktionierte, wurde der Amtsvorsteher dazugeholt. Der empfahl der Frau, sich mit Spülmittel die Hände zu waschen. Gesagt, getan - nur: Sekundenkleber lässt sich nicht so leicht abwaschen. Also ließ die Frau die Katze aus dem Sack: Sie sei Chemielaborantin und hantiere des Öfteren mit ätzenden Substanzen - vielleicht seien ihre Fingerkuppen dadurch zu sehr angegriffen.

Und siehe da: Der Meldeamtsvorsteher gab seine Bemühungen auf und bescheinigte der Antragstellerin im ePass-Formular, dass sie keine Finger besitze. Ihr ePass ohne gespeicherte Fingerabdrücke wurde der Frau wenige Wochen später anstandslos ausgehändigt. Damit reiste sie vor kurzem problemlos in die USA ein und hält sich bis heute dort unverdächtig auf. Der Kommentar des CCC: Mit der richtigen Taktik und guten Nerven lässt sich jede Technik aushebeln!

Lesen Sie auch

Neulich in …. Santa Fe

Neulich in . …Bukarest

Neulich in . . . Dayton

Diese und ähnliche Geschichten aus der (IT-)Arbeitswelt präsentieren wir in unserer Kolumne "Neulich in . . ." . Uns interessieren kuriose, aufschlussreiche und amüsante Begebenheiten aus der internationalen und nationalen Geschäftswelt. Wenn Sie entsprechende Anekdoten auf Lager haben, dann schreiben Sie uns. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!

 

Axel K.

Wer will schon in dieses dreckige Ungezieferland reisen, dass uns im Krieg (feige zusammen mit drei anderen Armeen gegen eine) soviel Schaden zugefügt hat?

comments powered by Disqus