Über den Umgang mit Menschen

Neulich … im Zug zur CeBIT

05.03.2013 | von Karen Funk (Redakteurin) 
Karen Funk
Schreibt und bearbeitet Karrierethemen - sowohl für die Website als auch für das Heft der COMPUTERWOCHE. IT-Arbeitsmarkt, Recruiting, Freiberufler, Aus- und Weiterbildung, IT-Gehälter, Work-Life-Balance, Employer Branding und und und.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Hofft auf mehr Frauen in der IT.
Email:
Connect:
Was tun, wenn Mitreisende unangenehm riechen? Wie gebildete Menschen mit solchen Situationen umgehen oder auch nicht, das erlebte CW-Redakteurin Karen Funk einmal im Zugabteil zur CeBIT.

Ich wusste es in dem Moment, wo ich das Zugabteil betrat: Es war ein Fehler, keinen Platz im Großraumwagen reserviert zu haben. Denn mir schlug ein unerträglicher, undefinierbarer Gestank entgegen, der offenbar von den beiden Männern ausging, die auf den Fensterplätzen des Sechs-Personen-Abteils saßen. Sie sahen nicht ungepflegt aus, Pulli, Hose, ganz normal. Dennoch waren sie eindeutig die Geruchsquelle.

Das Problem bei Zugfahrten: Sitzt man erst mal drin, ist man seinen Mitreisenden auf Gedeih und Verderb ausgeliefert...
Das Problem bei Zugfahrten: Sitzt man erst mal drin, ist man seinen Mitreisenden auf Gedeih und Verderb ausgeliefert...
Foto: Thomas Otto - Fotolia.com

Ein kurzer Kontrollblick auf die Tafel vorm Abteil bestätigte zu meinem Leidwesen, dass es das richtige Abteil war. Da mich die Herren erwartungsvoll anblickten, ich mit einem Fuß bereits im Abteil stand und der Zug heillos überfüllt war - wir waren auf dem Weg zur CeBIT - fügte ich mich in mein Schicksal, zumindest vorübergehend. Ich grüßte, verstaute meinen Koffer und nahm zögernd neben einem der Herren auf meinem reservierten Sitz Platz.

Ich begann gerade, mir eine Strategie zu überlegen, wie ich trotz der Überfüllung des Zugs das Abteil wechseln könnte, ohne zu unhöflich zu wirken, als eine elegante Dame im Business-Kostüm das Abteil betrat. Sie hängte ihren Designermantel an den Haken, verstaute ihr schickes Lederköfferchen im Gepäcknetz, nahm neben mir Platz und - erstarrte. Der Geruch hatte sie offenbar erreicht. Sie rümpfte demonstrativ die Nase, öffnete die Abteiltür und begann, sich mit einer Broschüre Luft zuzufächeln. Keine fünf Sekunden später wandte sie sich mit forschem Ton an die beiden Herren: "Entschuldigen Sie, aber könnten Sie bitte das Abteil verlassen. Sie stinken ganz fürchterlich."

Die beiden Männer schnappten hörbar nach Luft, empörten sich, dass es eine Frechheit wäre, das sei ihnen noch nie passiert, sie hätten zudem reserviert etc. Um die Situation zu entschärfen - und nicht ganz uneigennützig - bot ich an, nach einer Alternative zu suchen und sprang auf. Zwei Abteile weiter erklärten sich zwei Manager mit aufgeklappten Laptops auf dem Schoß bereit, die elegante Dame und mich aufzunehmen. So zogen wir um und verbrachten den Rest der Zugfahrt in wohlriechendem Ambiente. Kurz bevor die Dame ausstieg, drückte sie mir noch ihre Visitenkarte in die Hand. Ich war sprachlos: Nicht nur war sie eine Gräfin, sondern auch promoviert und in einer hohen Position im Bereich Öffentlichkeitsarbeit tätig.

Lesen Sie hier, was andere Leser erlebt haben: