Fußball, Hamburger, Smartphones

Neulich ... beim Kindergeburtstag

Schreibt und bearbeitet Karrierethemen - in der Digitalredaktion von COMPUTERWOCHE, CIO-Magazin, ChannelPartner und Tecchannel. Ihre Schwerpunkte sind IT-Arbeitsmarkt, Recruiting, Freiberufler, Aus- und Weiterbildung, IT-Gehälter, Work-Life-Balance, Employer Branding, Führung und und und.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Hofft auf mehr Frauen in der IT.
Wenn 13-Jährige Geburtstag feiern, geht das nicht ohne Smartphone. Und Playstation. Und Nintendo. Ein Lehrstück für Eltern.

Vor kurzem feierte mein Sohn seinen 13. Geburtstag. Er wünschte sich einen "chilligen" Nachmittag mit Fußballspielen, Burger-Grillen und Übernachtungsparty mit ein paar der Jungs. Hörte sich richtig nett an, dachte ich. "Willst Du auch Mädchen einladen?", wollte ich wie nebenbei wissen. "Nö, das wird dann zu stressig. Mit den Jungs kann man besser einfach abhängen", lautete die lässige Antwort. Mein Mann grinste nur und meinte, unser Sohn hätte die grundlegenden Dinge des Lebens schon verstanden. Eine Anweisung bekam ich dann noch von meinem Sohn, nämlich dass ich auf keinen Fall "peinlich" sein sollte.

Wenn 13-Jährige Geburtstag feiern, strapaziert das nicht selten die Nerven der Eltern.
Wenn 13-Jährige Geburtstag feiern, strapaziert das nicht selten die Nerven der Eltern.
Foto: Ruth Black - shutterstock.com

Bei den Worten "Abhängen" und "chillig" hätte ich vielleicht schon hellhörig werden oder doch zumindest Details erfragen sollen. Aber so ist jeder in seiner Welt und malt sich seine Sicht der Dinge aus. Ich freute mich also darüber, dass mein Teenager einfach nur eine nette Zeit mit seinen Kumpels verbringen wollte, mit Fußball, lecker Essen und nachts im Dunkeln quatschen mit den Übernachtungsfreunden. So wie ich früher - na ja, vielleicht ohne Fußball.

Um 17 Uhr trudelten die ersten Jungs ein. Sofort verzogen sie sich aufs Sofa im Wohnzimmer, packten Geschenke aus, guckten auf ihre Smartphones, coole Kommentare grölend. "Wollt Ihr Kuchen?", fragte ich, die gute Gastgeberin gebend. "Nee, jetzt nicht, wir gehen erst mal Fußball spielen", kam die Antwort. Die Handys wurden fallen gelassen, die Meute tobte nach draußen. Super, dachte ich, sie leben doch noch im richtigen Leben, nicht nur in der digitalen Welt. Eine halbe Stunde später waren sie wieder drinnen, verschlangen in Sekundenschnelle den Kuchen, Smartphones an.

Appell

"Wollt Ihr nicht mal die Handys weglegen?", wagte ich einen zaghaften Vorstoß, den Appell, nicht peinlich zu sein, noch im Kopf. "Wieso, wir gucken doch nur kurz drauf, wir waren ja schon draußen", kam es prompt. Wir grillten Burger, die Jungs stopften die Geräte in die Hosentasche, aßen, packten die Dinger wieder aus. Später wurden noch Marshmellows gegrillt, Handys kurz weggepackt, dann wieder Display gecheckt. Man könnte ja was verpassen.

Um zehn gingen die Nicht-Übernachtungskinder, mein Sohn richtete sich mit den übrigen Jungs unter lautstarkem Gelächter das Matratzenlager im Wohnzimmer ein. Nun kommt der gemütliche Teil, freute ich mich schon und hoffte auf eine reduziertere Lautstärke. "Wollt Ihr einen Film gucken?", fragte ich freundlich in die Runde. Lauter Protest brach los: "Wir wollen doch keinen beknackten Film gucken, wir wollen Playsi spielen!" Die Playstation hatte mein Sohn zu seinem Geburtstag bekommen. "Einverstanden, dann sagen wir eine Stunde und dann machen wir Schluss. Und die Handys sammle ich nachher auch ein, sonst schlaft ihr ja gar nicht", erklärte ich den weiteren Ablauf.

Argumentation

Ein ohrenbetäubender Proteststurm tobte los, aufgeregte, gerötete Gesichter schoben sich in mein Gesichtsfeld, Arme und Hände gestikulierten wild. Allen voran mein erboster Sohn: "Mama, du wolltest doch nicht peinlich sein!" So hatten sie sich das nämlich nicht vorgestellt. "Wer will denn heute schlafen?" riefen sie. Der Plan war, die Nacht durchzuzocken, Youtube zu gucken, nicht zu schlafen und vor allem uns Erwachsene komplett aus dem Wohnzimmer zu verbannen. "Ihr hängt schon den gesamten Tag vor Euren Geräten, immer wieder zückt ihr die Dinger, ihr merkt das gar nicht mehr", hielt ich an Vernunft appellierend entgegen. "Aber wir waren Fußballspielen", entgegneten sie triumphierend, die Gegenleistung für den Digitalkonsum in die Waagschale werfend.

Ich schnappte mir meinen Mann, es folgte eine etwa halbstündige Diskussion darüber, ob 13-Jährige die Nacht durchmachen sollten, noch dazu mit Playstation und Smartphones. "Lass sie doch einmal Anarchie leben, die ganze Zeit sind sie reglementiert durch Schule und fest strukturiertem Alltag", so mein Mann. "Du störst Dich doch nur an dem Digitalkonsum. Dann machen sie halt mal eine Nacht open end. Noch dazu in einem geschützten Raum." Hm.

Kapitulation

Ich gebe es zu, die Erschöpfung nach mindestens fünf Stunden mit lauten, pubertierenden Teenagern gewann die Oberhand, mein Bett lockte und ich gab mich geschlagen. Also erlaubte ich die Playstation und die Nintendos (die hatten sie tatsächlich auch mitgebracht), kassierte aber doch die Handys ein - von wegen unkontrolliertes Surfen im Internet bei einer Teenagerübernachtung, für die wir die Verantwortung hatten, nein danke! - ein Kompromiss, der maulend akzeptiert wurde.

Todmüde sank ich in die Federn mit dem vagen Gefühl, als Erziehungsberechtigte versagt zu haben. Ich hätte vorher die Rahmenbedingungen konkret mit meinem Sohn besprechen müssen, strenger auftreten müssen, von vornerherein alle Handys verbieten müssen. Diese Scheiß-Elektronik, dachte ich zum einmillionsten Mal und gähnte. Das nächste Mal mache ich alles anders ...

Am nächsten Morgen schlich ich ins Wohnzimmer, das Schlimmste befürchtend. Schläfrige Jungs blinzelten mir entgegen. "Na, wer hat alles durchgemacht?" fragte ich betont munter. Der eine war bis fünf auf, andere sind schon um zwei eingeschlafen, nur einer war die ganze Nacht wach: mein Sohn. Und der hing jetzt so in den Seilen, dass er - gleich nachdem seine Freunde gegangen waren - kommentarlos in sein Bett fiel und bis nachmittags ausschlief.

Lektion

"Das war ein toller Geburtstag", meinte er dann am Abend. "Aber das nächste Mal sollen weniger übernachten, mir war das zu laut." Yes! Und wir einigten uns darauf, die Medienregeln das nächste Mal vorab konkreter zu besprechen, eine dezidierte Spielphase auszumachen, danach die Geräte aber abzugeben. "Aber durchmachen will ich trotzdem wieder", strahlte mein Sohn. Schauen wir mal, welche Wünsche in einem Jahr kommen ... vielleicht doch Mädchen?