It intim - Die Sorgen der CIOs

Neues Paradigma im Supply-Chain-Management

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Wie weit ist eigentlich die Umgestaltung Ihres ERP-Systems gediehen?
Peter Horn, CIO, Amann Group
Peter Horn, CIO, Amann Group
Foto: Peter Horn

Den Rollout des SAP-Kernsystems haben wir abgeschlossen. Die sieben Produktionswerke - inclusive eines übernommenen Mitbewerbers in UK - und die 15 Vertriebsgesellschaften arbeiten auf einem durchgängigen SAP-System. Das schließt auch die rollierende Bedarfsplanung (Demand Planning) auf der Basis von APO ein, mit der wir 2008 begonnen haben und die seit einem Jahr stabil läuft.

Derzeit rollen wir die APO-Anwendung Supply Network Planning (SNP) aus. Amann hat sehr komplexe interne Zulieferstrukturen. Für die Software der SAP haben wir uns denn auch vor allem deshalb entschieden, weil wir "buchungskreisübergreifende" Funktionen benötigten und alle Auswirkungen im Produktions- und Lieferverbund sofort sehen wollten. Ein Weile haben wir SNP noch parallel zum ERP-Werkzeug "Sales Operations Plan" (SOP) betrieben, aber zu Ostern soll auch das letzte Werk davon abgekoppelt werden.

Im Supply-Chain-Management hat Amann das Paradigma komplett gewechselt. Wir richten heute unsere gesamte Planungskette nach der Kundennachfrage aus. Nur zehn Prozent seines Umsatzes erzielt das Unternehmen mit den kleinen Garnrollen im Einzelhandel. Zum überwiegenden Teil sind unsere Kunden textilverarbeitende Betriebe aus der Bekleidungs- oder der Automotive-Branche. Und dort ist Lieferfähigkeit ein kritischer Faktor.

Das gesamte Unternehmen durchläuft derzeit eine strukturelle Veränderung. Wir haben nach wie vor eine enorme Wertschöpfungstiefe, aber wir sind dabei, einige Fertigungsstufen nach Fernost auszulagern. Das erste Werk dort arbeitet bereits, ein zweites soll im Oktober 2010 in den Betrieb gehen. Die IT muss diese Veränderungen mitmachen: die Verlagerungsszenarien abbilden, die Systeme hier stilllegen, sie dort aufbauen und neue Mitarbeiter einweisen etc. Wenn wir in China fertig sind, fangen wir in Indien an. Das wird gut und gern noch drei bis vier Jahre in Anspruch nehmen.

Über all diesen Rollouts darf man nicht vergessen, Feedback von den Anwendern einzuholen, um zu lernen, wo wir eventuell korrigieren beziehungsweise besser kommunizieren müssen. Deshalb wollen wir in 2010 wieder einmal die Benutzerzufriedenheit abfragen.

Mehr über die Sorgen der CIOs erfahren Sie in der "Jahresabrechnung 2009"