Frankreich verhandelt mit Brüssel

Neues Geld soll Groupe Bull das Überleben sichern

19.03.2004
MÜNCHEN (CW) - Die französische Regierung arbeitet mit Nachdruck an der Rettung des Computerbauers Groupe Bull. Jetzt soll eine Restrukturierungshilfe von 520 Millionen Euro die Rettung bringen.

Die Sanierung von Bull nähert sich der entscheidenden Phase: Der französische Staat arbeitet an einem Konstrukt, um die Interessen des Konzerns mit den Forderungen der EU-Kommission in Einklang zu bringen. Hintergrund ist ein staatlicher Kredit aus dem Jahr 2002. Dieser war Bull unter der EU-Auflage gewährt worden, dass der Konzern die Gelder zu marktüblichen Bedingungen zurückzahlt, was angesichts hoher Schulden und leerer Kassen nie geschehen ist - auch hatte der Staat das Geld nicht zurückgefordert. Folglich leitete die EU-Wettbewerbsbehörde im Herbst vergangenen Jahres juristische Maßnahmen ein, da zwischen zwei Restrukturierungshilfen mindestens zehn Jahre verstreichen müssen. Bull hatte jedoch 1994 eine staatliche Unterstützung von 1,3 Milliarden Euro bekommen.

Der aktuelle Plan sieht vor, dass der französische Staat Anfang 2005 insgesamt 520 Millionen Euro als indirekten Schuldenerlass bereitstellt, was in den offiziellen Zeitrahmen passen würde. Bull muss die Summe nicht ausgleichen, stattdessen wird Frankreich mit bis zu 30 Prozent an künftigen Gewinnen beteiligt. In der Zwischenzeit muss sich Bull Geld am Kapitalmarkt besorgen, um den Kredit einschließlich Zinsen von 490 Millionen Euro aus dem Jahr 2002 zu begleichen.

Die Brüsseler Behörde will den Plan in den kommenden Wochen prüfen und innerhalb der nächsten Monate eine Entscheidung treffen. Zusätzlich dazu verzichten Gläubiger auf Forderungen gegenüber dem Computerbauer, ferner soll eine Kapitalerhöhung durch Altaktionäre die Rettung des Konzerns absichern. (mb/ajf)