Hohe Erwartungen an Machine Learning

Neuer Gartner Hype Cycle identifiziert die IT der Zukunft

Simon verantwortet als Program Manager Executive Education die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT. Zuvor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.
Berater lieben ihn, Anbieter verschlingen ihn, Anwender verspotten ihn, aber alle können ihn jedes Jahr kaum erwarten: den jährlichen Gartner Hype Cycle for Emerging Technologies. 2016 haben die Analysten drei übergreifende Trends identifiziert: transparente und lebensechte Erfahrungen, das Zeitalter der smarten Maschinen und die Plattform-Revolution.

Für ihren neuen Hype-Cycle-Report nahmen die Auguren Reifegrad, Geschäftsnutzen und Potenzial von mehr als 2000 Techniken in elf verschiedenen Bereichen unter die Lupe und erstellten daraus ihre vielbeachteten Hype Cycles. Mit diesen Infografiken visualisiert Gartner bereits seit 1995 das gängige Muster von anfänglich überschwänglicher Begeisterung, nachfolgender Desillusionierung und schließlich Realismus, das jede neue Technik und Innovation begleitet. Der bereichsübergreifende "Hype Cycle for Emerging Technologies" beleuchtet den zeitlichen Fortschritt zahlreicher Zukunftstechnologien und schätzt sie gleichzeitig nach ihrem tatsächlichen Wert für den wirtschaftlichen Nutzen ein.

Der Gartner Hype Cycle for Emerging Technologies 2016.
Der Gartner Hype Cycle for Emerging Technologies 2016.
Foto: Gartner

Virtuelle Welten kommen in der Wirklichkeit an

Weil Technologie zunehmend den Menschen in den Mittelpunkt stellt, passt sie sich dessen Bedürfnissen immer stärker an - zudem wird sie nicht mehr nur am Arbeitsplatz oder nur im privaten Bereich genutzt, sondern überall und immer. Das führt nach Meinung der Gartner-Analysten dazu, dass beispielsweise der 4D-Druck, das Connected Home, gestengesteuerte Devices sowie Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) immer schneller im Produktivbetrieb der Unternehmen ankommen - AR und VR beispielsweise sollen nach Einschätzung der Analysten bereits in fünf bis zehn Jahren überall im Einsatz sein.

Intelligente Maschinen und Systeme

Gartner rechnet außerdem damit, dass "smarte" IT die Technik-Landschaft in den kommenden zehn Jahren am stärksten verändert wird. Rechenleistungen und Datenmengen, die ins Unendliche steigen, sowie schnelle Fortschritte in der Weiterentwicklung neuronaler Netze und des Maschinellen Lernens versetzen Unternehmen in die Lage, Problemlösungen anders anzugehen als bisher.

Stark verallgemeinert geht es darum, Antworten zu finden, bevor die Frage überhaupt gestellt wurde. So wird derzeit von Themen wie Machine Learning, Cognitive Expert Advisors oder Personal Analytics sehr viel erwartet - entsprechend gehypt sind diese Bereiche auch in der Gartner-Kurve. "Smarte IT wird Teil des menschlichen Alltags und digitaler Wirtschafts-Ökosysteme", kommentiert Mike Walker, Research Director bei Gartner.

Interessant: Auch das autonome Fahren sortiert Gartner in den Bereich der smarten IT ein. Die Analysten erwarten wie schon im vergangenen Jahr viel von der Technologie, rechnen aber nunmehr damit, dass sie sich erst langfristig in über zehn Jahren auf breiter Front durchsetzen wird - 2015 lag dieser Erwartungsrahmen noch im mittelfristigen Bereich bei fünf bis zehn Jahren.

Unternehmen werden zu Enablern

Unter "Plattform-Revolution" verstehen die Analysten, dass Plattformen nicht mehr nur als technische Grundlage gelten, sondern sich zu "Ökosystem-Enablern" wandeln - dadurch entstehen komplett neue Geschäftsmodelle an der Schnittstelle von Menschen und Technik. "Unternehmen müssen ihre Strategie vorausschauend verstehen und anpassen, um plattformbasierte Geschäftsmodelle zu entwickeln, mit eigenen und fremden Algorithmen Werte schaffen", schreibt Gartner dazu.

Zu den erwähnten Enabler-Technologien gehören unter anderem das Quantencomputing, Blockchain, das Internet der Dinge sowie Software-defined-IT. "Diese Trends zeigen auf, dass je besser Unternehmen in der Lage sind, Technologie zum integralen Erfahrungsbestandteil von Mitarbeitern, Partner und Kunden zu machen, desto eher sie es schaffen werden, ihre Ökosysteme auf neuen und dynamische Weise mit Plattformen zu verbinden", meint Walker.

Alle Hype Cycles seit 2005

Möchten Sie herausfinden, wie sich der Gartner Hype Cycle über das vergangene Jahrzehnt entwickelt hat, welche Trends entstanden, aber auch ganz schnell wieder verschwunden sind oder welche IT-Hypes seit Jahren nicht "vorankommen"? Dann klicken Sie sich durch unsere Galerie - hier haben wir alle Hype Cycles seit 2005 zusammengestellt:

 

Daniel Reuter

Vor eine Seite ist das gut, aber von die andere ist das bisschen gefährlich.

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