Outsourcing/Kommentar

Neue Trends, alte Probleme

26.03.1999

Der Outsourcing-Markt hat sich in den letzten Jahren enorm gewandelt - von in der Regel kurzfristigen Sanierungsprojekten hin zu einer auf lange Dauer ausgelegten "Innovationspartnerschaft" zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer. Ausnahmsweise stimmen bei dieser Betrachtung Anwender- und Anbietersicht weitgehend überein. Die vom reinen Kostendenken getriebene Auslagerung des Rechenzentrums ist passé; Begriffe wie selektives Outsourcing, Desktop- und Helpdesk-Auslagerung, Managed-Services und Netzwerk-Outsourcing haben Hochkonjunktur. Das gilt auch für der Markt insgesamt, dem die Auguren weiterhin jährliche Wachstumsraten zwischen 40 und 60 Prozent attestieren. Die mit Abstand größte Wachstumslokomotive dürfte übrigens das R/3-Outsourcing bleiben - ein Umstand, der einer gesonderten Betrachtung wert wäre.

Doch mit den neuen Trends sind die alten Probleme nicht gelöst. 75 Prozent aller Verträge werden nach jüngsten Schätzungen des Debis Systemhauses verlängert, was dafür spreche, daß die Kunden insgesamt zufrieden sind. Auf das "insgesamt" kommt es indes nach wie vor an, die Liste der enttäuschten Anwender ist lang. Außerdem: Kein noch so ausgefeiltes Service-Level-Agreement macht die mühsame Festlegung der "Fertigungstiefe" eines Outsourcing-Deals obsolet. Was behält man an IT-Kompetenz, was gibt man nach draußen? Jetzt reiben sich die Dienstleister noch zusätzlich die Hände, weil der Mangel an IT-Skills allenthalben die Kunden erst recht in ihre Arme treibt. Die anderen Gründe - Mangel an Know-how, Wunsch nach Service und besserer Kostentransparenz, Konzentration auf das Kerngeschäft - tun dazu ihr übriges. Partnerschaften müssen gelebt werden, heißt es jetzt wieder einmal - von beiden Seiten. Die oft angemahnte bessere Vertragsgestaltung dürfte hierzu jedoch nicht ausreichen.