Freelancer tritt gegen die etablierten Vermittler an

Neue Online-Plattform für den SAP-Freiberuflermarkt

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
20 Prozent Provision des freiberuflichen Stundensatzes an den Vermittler abzutreten waren dem IT-Freelancer Stefan Vogt zuviel. So entschied sich der IT-Profi die eigene Plattform reeves ins Leben zu rufen, die SAP-Freelancer und Projektanbieter zusammenbringt.

Der SAP-Arbeitsmarkt - das zeigen die Auswertungen der letzten Monate - hat nichts an Dynamik verloren. Sowohl festangestellte als auch freiberufliche Experten kommen - vorausgesetzt das "Skill-Paket" passt, unproblematisch unter. Warum also das Honorar mit einem Vermittler teilen, zumal diese die Freiberufler heftigst umwerben. Das Xing-Postfach vieler gut qualifizierter Freelancer füllt sich von allein mit Angeboten. Einige SAP-Freiberufler haben sich mittlerweile aus den sozialen Medien schon abgemeldet, ob der als Belästigungen empfundenen Anfragen.

Hinzu kommt, dass sich CIOs und Freiberufler darüber beschweren, dass die Qualität der Recruiter in den Vermittlungsagenturen gelegentlich zu wünschen übrig lässt - vor allem, wenn es um komplexe IT-Themen geht und es zu verstehen gilt, ob das, was der Auftraggeber an Skills wünscht mit dem zusammenpasst, was im Profil des Freiberuflers steht.

Stefan Vogt ist Gründer des Online-Vermittlerportals reeves.
Stefan Vogt ist Gründer des Online-Vermittlerportals reeves.
Foto: Reeves GmbH

"Manchmal fragt man sich schon, wie professionell Vermittler sein können, wenn sie grundlegende SAP-Begriffe nicht auseinanderhalten können und einen unpassenden Vorschlag unterbreiten", kritisiert Gründer Vogt. Sein Eindruck war schon lange, dass sich beide - Freelancer und Projektanbieter -"oft nur mangels Alternativen auf solche Deals" eingelassen haben.So war es für ihn naheliegend, über eine Möglichkeit nachzudenken, die Auftraggeber und Freiberufler aus der SAP-Welt zusammenbringt. "Es hat mich eh gewundert, dass bisher niemand auf die Idee gekommen ist, eine Online-Plattform einzurichten, auf der SAP-Freelancer und Auftraggeber direkt zueinander finden".

Spezialisierung auf den SAP-Arbeitsmarkt

Zunächst unterscheidet sich reeves kaum von anderen Online-Vermittlerportalen: Der Freelancer hinterlässt sein Profil und sucht nach Projekten. Umgekehrt können Projektanbieter ihre Vorhaben ausschreiben oder die Profile der Freelancer durchsuchen. Reeves wirbt damit, dass es durch die Spezialisierung auf den SAP-Arbeitsmarkt beiden Seiten maßgeschneiderte Suchfunktionen anbietet. Vogt erläutert: Es sind zwei so genannte Skill-Bäume eingerichtet. Der eine enthält hierarchisch geordnet alle SAP-Produkte, Module und Anwendungen; der andere Werkzeuge, die einen SAP-Berater oder -Entwickler in seiner Arbeit unterstützen. "So können sowohl eher fachlich als auch eher technisch orientierte Berater per Auswahl der entsprechenden Skills aus dem Skill-Baum angeben, was sie anzubieten haben," freut sich Vogt. Analog können die Auftraggeber den Skill-Mix zusammenstellen.

Vogts Ziel ist es, die Profilerstellung so unkompliziert wie möglich zu gestalten, "die Suche sollte so einfach sein wie diejenige nach einem Auto". Damit will er einem Trend Rechnung tragen, der zumindest im Mittelstand zu beobachten ist, dass nämlich Arbeitgeber das Staffing ihrer Projekte wieder in die eigene Hand nehmen wollen, die das "übliche Procedere mit anonymisierten Kandidatenprofilen und Abstimmrunden mit dem Vermittler leid sind", so Vogt. Er verzichtet auf die üblichen Vermittlungsprovisionen und verlangt eine monatliche Pauschale von beiden Seiten.

 

Olaf Barheine

Gute Idee, aber warum nur für SAP-Berater? Auch Freiberuflern aus anderen Branchen gehen die ständigen Anfragen von Projektvermittlern gehörig auf den Keks!

Ich76

Die Entwicklung schreitet rasant voran. Deutschland hinkt hinterher. SAP fragt nach Steuererleichterungen, um Forschung zu finanzieren. Das jedoch ist doch spätrömische Dekadenz und obendrein zu kurz gedacht. Fördern und Fordern muss auch für Unternehmen gelten. Eine Absenkung der Nutzungsdauer von ERP-Software wäre die bessere Alternative. Das wäre für andere Unternehmen auch von Vorteil, da sie die Lizenzen dann schneller abschreiben und danach verkaufen könnten. Der Beratermarkt würde durch die notwendigen Anpassungen der Software beflügelt, SAP selbst hätte einen sehr guten Anreiz, innovative Entwicklungen zu forcieren...

comments powered by Disqus