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Neue Galgenfrist im Microsoft-Kartellverfahren

30.03.2000
Ballmer zu weiteren Zugeständnissen bereit

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - US-Zeitungsberichten zufolge haben die gegnerischen Parteien im Microsoft-Kartellverfahren eine weitere Fristverlängerung zur außergerichtlichen Beilegung ihrer Streitigkeiten erhalten. Die "Washington Post" schreibt, bei dem neuen Stichtag handele es sich um den 5. April, der Online-Nachrichtendienst "Wired News" dagegen nennt den 6. April. Der neuerliche Aufschub der Urteilsverkündung, die frühestens am 7. April erwartet wird, sei auf Anraten des Vermittlers Richard Posner zustande gekommen, den Richter Thomas Jackson im November 1999 für eine mögliche Schlichtung außerhalb des Gerichtssaals eingesetzt hatte. Nach einem Bericht der "New York Times" will Posner seine Vermittlung zwischen Microsoft und den Klägern, dem US-Justizministerium und 19 Bundesstaaten, einstellen, sollten sich beide Parteien nicht innerhalb einer Woche auf einen Kompromiss einigen.

Microsoft-Chef Steve Ballmer hat inzwischen eine E-Mail an die rund 33 000 Angestellten des Softwarekonzerns geschrieben, in der er das Interesse des Unternehmens bekräftigte, das Kartellverfahren durch weitere Zugeständnisse beizulegen. Darin hieß es: "Wir haben umfangreiche Vorschläge gemacht, diesen Fall beizulegen, und werden dies auch weiterhin tun." Die Top-Führungskräfte, darunter Chairman Bill Gates, arbeiteten derzeit "hart" an einer Lösung. Allerdings wies er in dem Schreiben auch darauf hin, dass Microsoft bereits mehr Zugeständnisse gemacht habe, als sich aus einem Urteil ergeben würden, "auch wenn wir den Fall verlieren sollten".