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Tracking-Cookies?

Neue Datenschützer-Vorwürfe gegen Facebook

02.11.2011
Die deutschen Datenschützer verstärken den Druck auf Facebook mit neuen Vorwürfen.
Hamburgs Datenschützer Johannes Caspar wittert bei Facebook Tracking-Cookies.
Hamburgs Datenschützer Johannes Caspar wittert bei Facebook Tracking-Cookies.
Foto: HmbBfDI / Thomas Krenz

Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar hält dem weltgrößten Online-Netzwerk vor, falsche Angaben über den Einsatz sogenannter Cookies zu machen. Das sind kleine Dateien, mit denen zum Beispiel eine Website einen Nutzer wiedererkennen kann. "Das Ergebnis der Prüfung erweckt den Verdacht, dass Facebook Trackingprofile der Nutzer erstellt", erklärte Caspar. Das hieße, dass Facebook auch das Verhalten von Nutzern im Netz nachverfolgen kann. "Das wäre aber nach dem Telemediengesetz ohne entsprechenden Hinweis auch auf das hiergegen bestehende Widerspruchsrecht nicht zulässig", sagte der Datenschützer.

Facebook versicherte bisher stets, die insgesamt vier verschiedenen Cookies würden vor allem für mehr Nutzer-Komfort, Sicherheit und Jugendschutz eingesetzt. Laut Caspar zeigte sich bei der Überprüfung aber, "dass die Angaben von Facebook über den Zweck dieser Cookies im Wesentlichen nicht zutreffen". Ein Nutzen sei nur bei rein optionalen Funktionen entdeckt worden, die von den Menschen erst aktiviert werden müssten. "Dass durch das Setzen der Cookies tatsächlich nur die Erhebung solcher personenbezogener Daten eines Nutzers ermöglicht wird, die für die Nutzung des Dienstes erforderlich sind, erscheint sehr zweifelhaft."

Facebook habe in einer ersten Reaktion "die Bereitschaft signalisiert, über die technischen Prozesse in eine Diskussion einzutreten", hieß es in der Erklärung des Hamburger Datenschützers.

Facebook-Sprecherin Tina Kulow erklärte in einer Stellungnahme, Facebook habe zum Thema Cookies nichts Neues zu sagen. Das bekannte Statement des Unternehmens zu Cookies lautet:

"Facebook verfolgt nicht die Aktivitäten von Nutzern im Internet. Stattdessen nutzen wir Cookies für soziale Plug-ins um Inhalte zu personalisieren (z.B. um anzuzeigen, was den eigenen Freunden gefällt), um Wartung und Verbesserungen zu unterstützen (z.B. um Klickraten zu messen) oder aus Sicherheitsgründen (z.B. um zu verhindern, dass Kinder unter 13 Jahren versuchen, sich mit falschem Alter anzumelden). Wir nutzen keine Informationen, die wir durch soziale Plug-ins erhalten, wenn man sie sieht, für gezielte Anzeigen. Vielmehr löschen oder anonymisieren wir diese Daten innerhalb von 90 Tagen und wir verkaufen niemals Nutzerdaten."

Und speziell zu den sogenannten "Logged-out Cookies": "Wir löschen Konto-spezifische Cookies sobald sich ein Nutzer von Facebook ausloggt. Deshalb erhalten wir keine persönlich-identifizierbaren Informationen durch ein Cookie, wenn Nutzer im Internet unterwegs sind. Die übrigen Cookies verwenden wir für Sicherheits- und Schutzmaßnahmen. Damit identifizieren wir beispielsweise Spammer und wir können durch sie erkennen, wenn jemand unauthorisiert versucht, auf ein fremdes Nutzer-Konto zuzugreifen. Außerdem helfen sie dabei, dass unsere Nutzer wieder auf ihr Konto zugreifen können, falls es gehackt wurde. Sie helfen auch, die Registrierung von Kindern unter 13 Jahren zu verhindern, die versuchen sich mit Hilfe eines falschen Geburtsdatums wieder anzumelden. Sie unterstützen Sicherheitsfunktionen wie die Zwei-Weg-Anmeldebestätigung und -Benachrichtigung und die Identifizierung von Computern, die von mehreren Personen genutzt werden, um die Nutzung der 'Angemeldet-bleiben'-Option zu verhindern."

In Deutschland geht bereits der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert gegen Facebook-Fanseiten und den "Gefällt-Mir"-Button vor. Er sieht in ihnen einen Verstoß gegen Datenschutz-Bestimmungen und forderte alle öffentlichen Stellen im Bundesland auf, sie nicht mehr zu verwenden. (dpa/tc)