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Neue Beweise für Preisabsprachen zwischen DRAM-Herstellern

26.02.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Neue Zeugenaussagen und E-Mails von Managern haben den Verdacht auf Preisabsprachen zwischen führenden DRAM-Herstellern wie Infineon, Samsung, Hynix oder Micron vor zwei Jahren erhärtet. Dies berichtet zumindest das 'Wall Street Journal' unter Berufung auf Gerichtsunterlagen.

Das US-Justizministerium hatte im Juni 2002 die Untersuchungen gegen die Konzerne aufgenommen, als die seit gut zwei Jahren rückläufigen Preise für Memory-Chips plötzlich stark anzogen (Computerwoche.de berichtete). Der Anstieg war allerdings nur von kurzer Dauer. Dass die Ermittlungen dennoch fortgeführt wurden, ist nicht zuletzt Michael Dell zu verdanken, der in einer Konferenz das kartellähnliche Benehmen der DRAM-Hersteller beklagte.

Die Untersuchungen konzentrieren sich insbesondere auf die Zeit vom Spätherbst 2001 bis Juni 2002. Damals hatten mehrere Führungskräfte von asiatischen Chipherstellern in Fachzeitschriften damit geprahlt, sie hätten eine industrieweite Vereinbarung getroffen. Diese sehe vor, die Fertigungskapazitäten in einigen Werken zu drosseln, um die Preise in die Höhe zu treiben.

Die Beweislage verdichtete sich, als sich Micron-Sales-Manager Alfred Censullo im Januar diesen Jahres bereit erklärte, mit den Behörden zu kooperieren. Zuvor war Censullo wegen Behinderung des Gerichts verklagt worden, weil er handschriftliche Notizen von Telefonkonferenzen veränderte, in denen über die Preisentwicklung bei der Konkurrenz gesprochen wurde. Auch die (vor kurzem eingestellten) Ermittlungen der US-Handelkommission FTC gegen den Chipdesigner Rambus brachten neues Licht in den Fall. Die Behörde stieß dabei auf eine E-Mail eines Micron-Managers. In der Mitteilung wurden die Bemühungen von Infineon und Samsung beschrieben, die Preise für Memory-Chips in die Höhe zu treiben. Die Übereinkunft unter den Anbieter gehe dahin, dass alle anderen nachziehen würden, wenn Micron den Anfang mache, zitierte das "WSJ" weiter aus den FTC-Unterlagen.

Eine erste offizielle Stellungnahme wird frühestens im März erwartet. Die Höhe der Strafe hängt unter anderem von der Kooperationsbereitschaft mit den Behörden ab. (mb)