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Neue Betrugsvorwürfe gegen Computer Associates

25.11.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die US-Bundesbehörden haben ihre Untersuchungen im Betrugsfall Computer Associates (CA) auf ehemaligen Mitarbeiter ausgeweitet. Die Softwareschmiede aus Islandia, New York, sieht sich nun schweren Vorwürfen ausgesetzt. So soll das Unternehmen mehrfach Kundenverträge vor- und zurückdatiert haben, um Umsätze zwischen einzelnen Geschäftsquartalen zu verschieben. Das berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf ehemalige Angestellte und deren Anwälte. Den Angaben zufolge arbeitete CA mit einem Zeitfenster von 95 Tagen, um Verträge einzubeziehen, die zum Quartalsende noch nicht offiziell unterzeichnet waren. Eine ehemalige Mitarbeiterin verwies in diesem Zusammenhang auf einen Vertrag mit dem US-Versicherer Allstate Insurance von Ende 1999, der erst im darauffolgenden vierten Quartal 2000 (Ende: 31. März 2000) verbucht wurde. Der Großkunde hatte vor kurzem von der

ermittelnden Staatsanwaltschaft eine Vorladung vor Gericht erhalten (Computerwoche online berichtete).

Aus Gründen der Bilanzoptik, so ein weiterer Vorwurf, soll CA außerdem anlässlich der Verlängerung von Wartungsverträgen Software kostenlos zugegeben haben. Anschließend habe das Unternehmen einen Teil der Serviceeinnahmen als verkaufte Software in die Bücher aufgenommen, berichteten Mitarbeiter. Der Grund: Laut US-Gaap fließen Lizenzeinnahmen sofort in die Bilanz ein, die Wartungserlöse müssen dagegen kontinuierlich über den vereinbarten Servicezeitraum hinweg verbucht werden - bei CA sind das in der Regel drei bis zehn Jahre. Das Softwareunternehmen hat sämtliche Anschuldigungen zurückgewiesen.(mb)