Telekom enttäuscht

Netzagentur senkt TAL-Miete leicht

01.04.2011
Die Bundesnetzagentur hat die Telekom-Entgelte für die "letzte Meile" leicht gesenkt.
Netzagentur-Chef Matthias Kurth
Netzagentur-Chef Matthias Kurth
Foto: Bundesnetzagentur

Die Gebühr für die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) werde ab dem 1. April von derzeit 10,20 auf 10,08 Euro verringert, teilte die Netzagentur am Donnerstag mit. Die Deutsche Telekom hatte zuvor 12,90 Euro beantragt. Die TAL ist die Leitung zwischen der örtlichen Vermittlungsstelle und dem Anschluss beim Kunden.

Telekom-Anbieter, die nicht über ein eigenes Netz verfügen, müssen der Deutschen Telekom diese Gebühr für die Nutzung der Leitungen zahlen. Haben Konkurrenten bis zum Kabelverzweiger, den grauen Kästen am Straßenrand, ausgebaut, müssen sie lediglich die Kabelverzweiger-TAL mieten, die kürzer und deshalb günstiger ist. Diese Gebühr sinkt von 7,21 auf 7,17 Euro. An der Börse verloren die Telekom-Aktien 0,28 Prozent auf 10,86 Euro.

"Wir haben an unserem bereits seit über zehn Jahren praktizierten und bewährten Ansatz festgehalten, die Entgelte auf der Basis aktueller Wiederbeschaffungskosten zu ermitteln, weil hierdurch am besten Anreize für Investitionen in moderne Netze gesetzt werden", sagte der Präsident der Netzagentur Matthias Kurth. "Die vorgeschlagenen Entgelte bieten daher Gewähr für stabile und berechenbare Rahmenbedingungen im deutschen Telekommunikationsmarkt."

Die Telekom zeigt sich enttäuscht von der Entscheidung. "Die erneute Absenkung ist ein falsches Signal für alle Unternehmen, die in den Ausbau der Breitbandinfrastruktur investieren wollen. Investitionen in ländliche Regionen werden zusätzlich erschwert", sagte Telekom-Vostand Niek Jan van Damme. "Deutschland riskiert beim Breitbandausbau weiter zurückzufallen. Die Regulierer in anderen europäischen Ländern wie Großbritannien, Italien und Spanien gehen einen anderen Weg und haben die Entgelte erhöht."

Die Telekom begründete ihre Antrag auf Preiserhöhung mit höheren Kosten und sinkenden Einnahmen. Das Kupfernetz müsse trotz gestiegener Kupferpreise und dem Verlust von Festnetzkunden an Mobilfunk- und Kabelnetzbetreiber erhalten werden. Zudem pochen die Bonner auf hohen Geldbedarf für den Ausbau der Infrastruktur. Die Branche müsse viele Milliarden Euro investieren, um das von der Bundesregierung gewünschte dichte Breitbandnetz zu erreichen.

Konkurrenten zahlen der Telekom monatlich ein Entgelt für mehr als neun Millionen Teilnehmeranschlussleitungen zwischen der örtlichen Vermittlungsstelle und dem Anschluss beim Kunden. Die Netzagentur hat die TAL-Entgelte seit 1999 von damals 12,98 Euro auf nun 10,08 Euro kontinuierlich gesenkt.

Die Interessen der Telekom-Konkurrenten sind in zwei Gruppen gespalten. Jene, die in Glasfasernetze investieren, schlagen sich auf die Seite der Telekom und befürworten stabile Preise, damit sich ihre Ausgaben lohnen. Jene ohne Glasfasernetze forderten eine Senkung der TAL um bis zu 30 Prozent. Zu ihnen gehört United Internet-Gründer Ralph Dommermuth.

Er sieht in der TAL-Höhe den Grund für das Schrumpfen seines DSL-Geschäfts. "Wenn die TAL bei 10,20 Euro bleibt, wird die Anzahl unserer DSL-Anschlüsse schrittweise weiter sinken. Spaß macht das Geschäft erst wieder, wenn der Preis zwischen sieben und acht Euro liegt", sagte Dommermuth jüngst der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Telekom und die Kabelbetreiber müssten diese Gebühr nicht zahlen und seien im Vorteil, sagte Dommermuth - so entstehe ein Duopol. (dpa/tc)