Integration von Netzen ohne Gateway-Einsatz:

Network Systems hebt Hyperchannel-Niveau an

10.06.1988

ZÜRICH (sch) - Weitere Kreise als bisher zieht der DÜ-Spezialist Network Systems mit seiner neuen Hyperchannel-DX-Technologie (DX: Data Exchange). Im Rahmen des "Netzes von Netzwerken" kann man 55 Betriebssysteme unter einen Hut bringen und Empfangsgeschwindigkeiten von bis zu 400 Millionen Bits pro Sekunde ermöglichen.

Dreh- und Angelpunkte einer Hyperchannel-DX-Einheit (DXU) stellen ein Mikroprozessor, ein bis zu 16 MB großer Hauptspeicher und ein 32-Bit-Backplane-Bus dar. An diesen Bus lassen sich Schnittstellenplatinen für verschiedene Hosts und Übertragungsmedien anschließen, die wiederum jeweils mit einem Bit-Slice-Prozessor und Programmspeicher ausgestattet sind.

Die "Speicherzentrale" ist in der Lage, Daten mit einer Geschwindigkeit von 400 Mbits pro Sekunde zu "verkraften". Diese Bandbreite kann jeder Host-Schnittstelle in Schritten von 25, 50, 100 oder 200 Millionen Bits pro Sekunde zu geordnet werden.

Als integrierbare Rechner kommen Supercomputer, Mainframes, Minis und PCs in Frage. Die Zusammenschaltung geschieht entweder über einen Direktanschluß an ein Hyperchannel- 10 beziehungsweise -50-Netzwerk oder über eine als Router arbeitende DXU, wie zum Beispiel den IP-Router. Jede DXU ist auf die Verwaltung mehrerer Host-Schnittstellen "eingestellt", so des Cray-Kanals, des FIPS- oder IBM-Anschlusses oder des DMA-Kanals bei Minis und Arbeitsplatzsystemen.

Hyperchannel-DX überträgt laut Anbieter nicht nur Daten zwischen den Host-Schnittstellen, sondern übernimmt darüber hinaus auch Funktionen des Hosts, zum Beispiel Protokollverarbeitung, E/A-Pufferung, Ausführung von Diagnose-Programmen und statistische sowie sonstige ereignisbezogene Funktionen im Rahmen der Netzwerkverwaltung. Besonderen Wert legt Network Systems auf die Tatsache, daß die neue Konzeption den Einsatz von "langsamen, schwerfälligen Gateways zwischen verschiedenen Übertragungsmedien und Protokollen" überflüssig mache.

Auf der Leitungsebene können Koaxialkabel, verdrillte DX-Leiterpaare und Glasfaserkabel mit FDDI zum Tragen kommen, wobei auch ein Mix oder eine Kopplung der unterschiedlichen Medien denkbar ist. Neben FDDI versteht sich Hyperchannel-DX auf Ethernet, TCP/IP, Token-Ring, Decnet und insbesondere auf das eigene Netzwerk-Protokoll Netex. Im Hinblick auf letztere Norm meint Reinhard Reineck, Geschäftsführer der Network Systems GmbH mit Sitz in Frankfurt: "Netex ist als eine Antwort auf OSI schon im Jahre 1981 zu verstehen. Jetzt ist es ein Standard für 55 Betriebssysteme." Teilweise hätten daran auch andere Hersteller mitgestrickt und würden dies weiterhin tun, um jeweils auf dem neusten Release-Level zu bleiben.

Auf den oberen Ebenen des Sieben-Schichten-Modells sind unter anderem User Acess als einheitliche Bedieneroberfläche, die File-Transfer-Software DataMover und Interfaces zu Oracle sowie Adabas angesiedelt. In Sachen ISO/OSI selbst verhält sich Network Systems momentan jedoch eher abwartend. Nochmals Reineck: "Die zukünftige Entwicklung wird davon abhängen, was das amerikanische Departement of Defense zu OSI sagt."