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Online-Videothek

Netflix dämpft Erwartungen vor Deutschland-Start

02.09.2014
In den USA ist Netflix der Platzhirsch unter den Online-Videotheken und Streaming-Diensten. Zum Start in Deutschland trifft das US-Schwergewicht jedoch mit geschwächtem Angebot auf viele Rivalen, die sich gut vorbereiten konnten.

In dem noch jungen Geschäft mit dem Videostreaming von Filmen und Serien aus dem Internet herrscht in Deutschland schon seit Monaten Alarmstimmung: Der US-Riese Netflix kommt. Die Anbieter bereiteten sich vor dem für September anvisierten Start des Branchenpioniers ganz offensichtlich auf einen Ernstfall vor. Amazon preschte mit einem Jahresabo für 49 Euro in seinem "Prime"-Angebot vor. Beim Bezahlsender Sky fängt der Preis für den Streaming-Dienst Snap jetzt bei 3,99 Euro an statt zuvor 9,90 Euro.

Eingang zur Netflix-Zentrale in Los Gatos, Kalifornien
Eingang zur Netflix-Zentrale in Los Gatos, Kalifornien
Foto: Netflix

Und der Sender ProSiebenMAXX wies am Montag dezent darauf hin, dass ein Kronjuwel von Netflix, die zweite Staffel der Polit-Serie "House of Cards" diese Woche bei ihm innerhalb von zwei Tagen durchgespult ("Binge Watching") wird. In Amerika hatte die Saga um skrupellose Intrigen in Washington mit Kevin Spacey Netflix im scharfen Wettbewerb mit mächtigen Rivalen wie dem Bezahlsender HBO einen Zustrom neuer Nutzer beschert. In Deutschland war die Serie aber zuerst bei Sky Deutschland zu sehen, weil Netflix damals noch nicht hierzulande aktiv war.

Soviel ist schon mal klar: Netflix steht hierzulande vor einer großen Herausforderung. Der US-Überflieger trifft mit einem noch schmalen Start-Angebot auf einen bereits dicht bevölkerten Markt mit gut vorbereiteten Rivalen. Außerdem ist die Ausgangsposition in Deutschland mit vielen frei empfangbaren Programmen ohnehin deutlich ungünstiger für Pay-TV-Angebote als im Heimatmarkt, wo kaum etwas ohne ein teures Kabel- oder Satelliten-Abo geht.

Netflix-Chef Reed Hastings stapelt für Deutschland erstmal tief.
Netflix-Chef Reed Hastings stapelt für Deutschland erstmal tief.
Foto: Netflix

Netflix-Chef Reed Hastings hängt die Planke vorsorglich etwas tiefer. Es spiele zunächst keine Rolle, welche Marktposition das Unternehmen in Deutschland erobere, erklärte er in einem Interview mit dem "Spiegel". "Auch wenn wir Dritter oder Fünfter sind, ist das in Ordnung."

Einige Nutzer mit amerikanischen Netflix-Accounts konnten in den vergangenen Tagen bereits einen Blick in das noch im Aufbau steckende deutsche Netflix-Angebot werfen. Und das fiel wenig beeindruckend aus, wie unter anderem der Mediendienst DWDL berichtete. Deutsche Inhalte wie "Stromberg" oder die "Sendung mit der Maus" dürften kaum als exklusiver Magnet durchgehen.

Netflix-Streaming funktioniert über viele Endgeräte.
Netflix-Streaming funktioniert über viele Endgeräte.
Foto: Netflix

Immerhin werde Netflix hier seine neuere Erfolgsserie "Orange Is The New Black" über ein Frauengefängnis gleich zum Start zeigen können, entdeckte DWDL. Und auch die frische Serie "Fargo" ist nach Informationen des Online-Dienstes bereits auf Deutsch synchronisiert und soll bald folgen. Netflix habe in Deutschland auch den "Tatort" haben wollen, sei aber bei der ARD auf Granit gestoßen, heißt es im "Spiegel". Beim Preis liegt Netflix nach Erkenntnissen des Magazins mit Preisen ab 7,99 Euro im Mittelfeld. Das Unternehmen selbst macht keine Angaben zum geplanten Programm und anderen Details, die am 16. September veröffentlicht werden sollen.

Allerdings wäre es viel zu früh, Netflix abzuschreiben. Denn das Startup hat in den USA bewiesen, wie es sich in einem hart umkämpften Markt durchbeißen kann. Ein Schlüssel für den Erfolg ist die tiefgreifende Analyse von Nutzungsdaten. "Wir sehen dann etwa: Ah, die Deutschen mögen gern filme, in denen Motorräder vorkommen, davon brauchen wir mehr", erläuterte Hastings das Prinzip im "Spiegel". Zum Start werten die Kalifornier zunächst die Top-Listen von illegalen Tauschbörsen aus, um den Geschmack der Zuschauer in Deutschland zu erkunden. (dpa/tc)