IBM-Position unklar

Neon-Mainframe-Tool verstößt nicht gegen Lizenzrecht

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Als die texanische Neon Enterprise Software mit der zPrime-Anwendung für IBMs System-z-Mainframes auf den Markt kam, schien Ärger programmiert.

Immerhin erlaubt die Anwendung, Applikationslast von den Hauptprozessoren der Großrechner auf die für spezialisierte Aufgabenstellungen entwickelten so genannten Specialty Engines herunter zu laden und dort verarbeiten zu lassen.

Es geht um die Lizenzgebühren

Das kann IBMs Chef Sam Palmisano nicht recht sein: Dass das US-Unternehmen Neon Software mit dem Großrechner-Tool zPrime dafür sorgt, dass die Mainframe-Umsätze von Big Blue sich reduzieren könnten.
Das kann IBMs Chef Sam Palmisano nicht recht sein: Dass das US-Unternehmen Neon Software mit dem Großrechner-Tool zPrime dafür sorgt, dass die Mainframe-Umsätze von Big Blue sich reduzieren könnten.

Das klingt unspektakulär, ist es aber beileibe nicht. Denn mit dieser Funktionsweise des Neon-Software-Tools zPrime werden möglicherweise Lizenzvereinbarungen berührt, die Big Blue mit seinen Großrechnerkunden geschlossen hat. Neon Software vertritt die Ansicht, dass zPrime-Nutzer keine Probleme gewärtigen werden. IBM hat sich bislang nicht abschließend geäußert, dass Lizenzrechte verletzt würden.

Die IBM hat nach eigenen Aussagen die Speciality Engines entwickelt, um auf diesen Prozessoren Workloads neuer Applikationen verarbeiten zu lassen. Zumindest aus Sicht von Big Blue ist aber nicht daran gedacht gewesen, auch Arbeitslasten von Legacy-Applikationen auf die zIIP-CPUs (= z Integrated Information Processor) und zAAP-Prozessoren (= z Application Assist Processor) der System-z-Großrechner zu hieven.

Ins Zentrum des Interesses rückt dabei das Lizenzierungsmodell der IBM: Die System-z9- und die neueren System-z10-Großrechner werden von Haus aus mit mehr Hauptprozessoren geliefert, als der Anwender in aller Regel benötigt. Der User zahlt an Big Blue aber lediglich gemäß der Zahl der tatsächlich benutzten Prozessoren Lizenzgebühren. Dieses Verfahren gibt dem Anwender die Möglichkeit, nach Bedarf mehr oder weniger Prozessoren zu nutzen. Er kann so je Auslastung der Systeme - die im Alltagsgeschäft sehr schwanken kann - seine Kosten variabel halten. Prinzipiell gilt für die Nutzung der Großrechner-Hauptprozessoren im Vergleich zu den Specialty Engines, dass die Lizenzgebühren für die Hauptprozessoren höher sind als für die zIIP- und zAAP-CPUs.