Ratgeber

Native oder web-basierende Apps?

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Im Rummel um die Apps für iOS, Google Android und andere Plattformen sind mobile Web-Applikationen fast in Vergessenheit geraten. Dabei eignen sich beide Ansätze für den Bau von Business-Anwendungen. Die Tücken stecken aber im Detail.
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Native mobile Anwendungen wurden aus der Not geboren, weil vom PC gewohnte Organizer-Funktionen auch unterwegs auf dem mobilen Endgerät verfügbar sein sollten. So besaßen die ersten einfachen PDAs schlichtweg kein Mobilfunkmodul, bei den daraus hervorgegangenen Smartphones konnte man sich nicht unbedingt darauf verlassen, dass mobile Datendienste überall in ausreichender Bandbreite verfügbar (und bezahlbar) waren. Als Konsequenz liefen die Fat-Client-Anwendungen offline direkt auf dem Gerät, im Büro ließen sich die Informationen dann mit dem Büro-PC synchronisieren.

Mit der drastisch gestiegenen Prozessorleistung der Smartphones, dem wachsenden Speichervolumen und anderen Komponenten wie GPS oder Megapixel-Kamera wurden die Anwendungen dann immer ausgereifter. Gleichzeitig erlaubte der Mobilfunk der dritten Generation (UMTS) auch den mobilen Zugriff/Versand von Daten ohne nennenswerte Wartezeiten. Ihren Siegeszug feierten die "Apps" letztendlich mit der Popularität des Apple iPhone und des iTunes App Store, wo sich inzwischen 250.000 mobile Programme herunterladen lassen. Die Apps-Euphorie hat inzwischen so weit geführt, dass sogar aufbereitete Inhalte von Websites in Anwendungen vorgehalten werden. Sie sollen dadurch beim Nutzer besonders präsent sein, neue Geschäftsfelder eröffnen oder schlicht dem Prestige des Herausgebers dienen.

Web-Seiten werden mobil

Parallel dazu ist die Nutzung mobiler Websites dank UMTS und anderer 3G-Dienste sowie immer ausgereifterer Geräte-Hard- und -Software im Lauf der vergangenen Jahre auch für Handys und Smartphones immer komfortabler geworden. So lassen sich auch bestehende Web-Applikationen, also Client-Server-Anwendungen mit dem Internet als Schnittstelle, gut für mobile Endgeräte einsetzen.

Sowohl für Apps als auch für Web-basierende Anwendungen gibt es Argumente: Für eine native Fat-Client-Anwendung spricht, dass sie auch offline verfügbar ist und direkt auf die Hardware des Geräts, etwa GPS oder Kamera (Barcode-Scanner), zugreifen kann. Außerdem ist es möglich, wichtige Daten lokal vorzuhalten, was bei den steigenden Speicherkapazitäten aktueller Geräte und der immer größeren Kapazität von MicroSD-Karten nicht zu vernachlässigen ist.

Die Speicherkapazitäten können gleichzeitig aber auch als Nachteil gesehen werden. Kommt das Gerät abhanden, besteht die Gefahr, dass auch geschäftskritische Informationen in die falschen Hände geraten können. Außerdem ist die Aktualität der Daten - anders als bei Browser-basierenden Anwendungen - nicht immer gewährleistet.