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Nasdaq Deutschland vor dem Aus

05.08.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Neben der Handelsplattform Nasdaq Europe steht möglicherweise demnächst auch die erst vor wenigen Monaten gestartete Tochter Nasdaq Deutschland vor dem Aus. Wie die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Finanzkreise meldet, wird der hiesige Ableger der US-amerikanischen Technologiebörse wahrscheinlich noch in diesem Jahr geschlossen. So wolle sich die US-Mutterbörse, Großaktionär über die pan-europäische Tochter Nasdaq Europe, aus dem Projekt zurückziehen. Bislang sei jedoch kein Investor bereit, den Mehrheitsanteil der US-Nasdaq zu übernehmen, berichtet das Wirtschaftsblatt. Neben Nasdaq Europe sind außerdem die Commerzbank, Comdirect, die Dresdner Bank und die Börse Berlin-Bremen an der deutschen Handelsplattform beteiligt.

Wahrscheinlicher Grund für das mangelnde Interesse von Investoren ist der Umstand, dass die Börsenumsätze deutlich niedriger als erwartet ausfielen. Auch der Plan, der Deutschen Börse Marktanteile abzunehmen, ging nicht auf: Noch im Juli wurden 98 Prozent der gesamten Umsätze der deutschen und 83 Prozent der ausländischen Aktien auf dem elektronischen Xetra-System oder in Frankfurt gehandelt.

Finanziell ist das Ende der Nasdaq Deutschland allerdings keine Katastrophe. Nach Zeitungsinformationen beläuft sich das Eigenkapital lediglich auf zwölf Millionen Euro. Schlimmer ist der Imageschaden vor allem für die Börse Berlin-Bremen, die auch personell eng mit der Nasdaq Deutschland verknüpft ist.

Im Juni hatte die US-Technologiebörse bereits angekündigt, dass bei der pan-europäischen Handelsplattform Nasdaq Europe Ende November die Lichter ausgehen sollen. (mb)