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".name wird Passport-Alternativen bieten"

04.10.2001
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Afilias -Vorstandsmitglied Eric Schätzlein sprach mit der COMPUTERWOCHE über die Besonderheiten der neuen Top-Level-Domains, die Rolle der Icann und mögliche Interessenkonflikte.

CW: Auf welche Besonderheiten müssen sich die User bei den sieben neuen Top Level Domains einstellen?

SCHÄTZLEIN: .biz, .info und .name sind die großen neuen TLDs. Jede hat ihre eigene Zielgruppe, .info ist für jedermann, .biz für Unternehmen und .name ist für Privatpersonen. Die .name-Registry "Global Name Registry" wird ein Zusatzprodukt namens Digital Identity anbieten. Es soll ähnlich wie Microsofts Passport-System funktionieren, wobei der persönliche Domain-Name als Basis für E-Commerce-Transaktionen dient. Wichtig an .name ist für uns, die Domains zu einem erschwinglichen Preis an den Mann zu bringen.

CW: Welchen Einfluss hat die Icann auf Afilias?

SCHÄTZLEIN: Im Grunde genommen sind wir nur Lizenznehmer der Icann. Wir haben eine zeitlich befristete Lizenz für den Betrieb von .info erhalten. Das bedeutet auch, dass wir alles, was strategisch im Registry-Bereich passiert, vorher mit der Icann abstimmen müssen.

CW: Sehen Sie sich dadurch in Ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt?

SCHÄTZLEIN: Ich habe Verständnis für diese Regelungen, weil die Internet-Adressierung ein politisches Thema ist, das nicht rein privatwirtschaftlich geregelt werden kann. Domains und IP-Adressen sind ja in gewisser Weise Allgemeingut. Daher gibt es auch demokratische Mitbestimmungsmöglichkeiten aller betroffenen Parteien, also beispielsweise der Registrare, der IP-Community, der Domain-Inhaber oder Anwälte. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Country-Code-Registries wie Denic ihre Verträge mit der Icann unter Dach und Fach haben.

CW: Ist hier in Zukunft mit einer weltweiten Vereinheitlichung zu rechnen?

SCHÄTZLEIN: Hier sind unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen. Einerseits will die Icann die Registries unter Vertrag nehmen, andererseits verwalten die Registries im Auftrag der Community eine nationale Ressource, wobei auch noch das Einverständnis der Regierungen zu berücksichtigen ist. Die Icann strebt hier Dreiecksverträge mit den Registries und den Regierungen an. Schwierig wird es in solchen Ländern, wo die TLD gar nicht im Einverständnis mit der Regierung betrieben wird, wie etwa in einigen afrikanischen Ländern. Die großen europäischen Registries haben außerdem ein basisdemokratisches Selbstverständnis nach dem Motto: Wir sind die regional konstituierte Registry und wollen mit euch einen Vertrag machen. Die Icann würde gerne sagen: Wir geben euch die Registry und könnten sie euch auch wieder nehmen.

CW: Bei Einführung einer neuen TLD ist von vornherein bereits ein großer Teil belegt durch Markenrechte. Sollte man Marken nur noch in Verbindung mit einer TLD registrieren, um dem Anspruch eines Markeninhabers auf alle Second Level Domains entgegenzuwirken?

SCHÄTZLEIN: Ich kann mir gut vorstellen, dass man, wenn eine TLD eine echte Nutzungs-Charta hat, die streng durchgezogen wird, Gerichte davon überzeugen kann, Klagen zurückzuweisen. Denn es gilt ja der Grundsatz: Wer einen mit einer Marke identischen Namen hat, seine Domain aber rein für private Zwecke nutzt, darf die Domain behalten. Umgekehrt gilt: Wer Markennamen für den geschäftlichen Verkehr nutzt, kann gerichtlich vom Markeninhaber belangt werden.

Das Gespräch mit Eric Schätzlein führte CW-Redakteur Wolfgang Miedl.