Microsoft Cloud

Nadella wirbt für mehr Vertrauen in die Public Cloud

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Im Rahmen seiner aktuellen Europa-Tour stattete Microsoft-CEO Satya Nadella auch dem Hauptstadt-Büro in Berlin einen Besuch ab. Sein vorderstes Anliegen dabei: Gemeinsam mit RZ-Partner Tim Höttges deutschen Unternehmen die vielen Vorteile der Microsoft Cloud Deutschland aufzuzeigen und ihre Vorbehalte zu nehmen.
Satya Nadella warb in Berlin für die Microsoft Cloud Deutschland.
Satya Nadella warb in Berlin für die Microsoft Cloud Deutschland.

"Unsere Mission ist es, die deutschen Bürger, Unternehmen und politischen Organisationen dabei zu unterstützen, mehr zu erreichen", erklärte Satya Nadella vor 200 Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Medien in Berlin. Dafür sei aber nicht nur Technologieverständnis, sondern auch das Vertrauen der Kunden notwendig. Die Basis dafür bilde die Infrastruktur. "Unsere strategische Partnerschaft mit der Deutschen Telekom bietet deutschen Unternehmen noch mehr Wahlmöglichkeiten und Vertrauen darin, wie ihre Daten verarbeitet und wo sie gespeichert werden", so Nadella.

Microsoft hat nach eigenen Angaben allein im vergangenen Jahr die Kapazitäten seiner europäischen Cloud-Angebote verdoppelt und insgesamt mehr als drei Milliarden Dollar (rund 2,7 Milliarden Euro) in neue Rechenzentrumsregionen in Deutschland, Österreich und Finnland sowie in bereits bestehende in Dublin und Amsterdam investiert.

Als Reaktion auf die bekannte "German Angst" ging das Unternehmen hierzulande einen Sonderweg: Mit Microsoft Azure Deutschland bietet Microsoft seit dem 21. September auch aus deutschen Rechenzentren in Frankfurt/Main und Magdeburg (Biere) Public-Cloud-Infrastruktur-, Plattform- und IoT-Dienste an - zusätzlich zu dem bisherigen öffentlichen, privaten und hybriden Microsoft-Cloud-Lösungen. Im ersten Quartal 2017 soll auch Office 365 aus der Microsoft Cloud Deutschland bereitgestellt werden, bis Mitte kommenden Jahres dann auch Dynamics 365.

Umfrage zu CRM in der Cloud

Die Daten werden dabei ausschließlich in Deutschland gespeichert, der Datenaustausch läuft über ein privates, vom Internet getrenntes Netzwerk. Zudem erfolgt die Kontrolle des Zugriffs auf Kundendaten durch Telekom-Tochter T-Systems als Treuhänder. Auf diese Weise, so Microsoft, könnten auch Vertreter streng regulierter Branchen ihre digitale Transformation erfolgreich mit Public-Cloud-Lösungen vorantreiben - von Big-Data- und Machine-Learning-Szenarien bis hin zum Internet der Dinge.

"Cloud ist Erfolgsfaktor für die digitale Transformation"

"Die Cloud ist die Chance für die drängendsten Probleme dieser Zeit", betonte der Microsoft-Chef, und sei ein wichtiger Erfolgsfaktor für die digitale Transformation in Deutschland. Dabei gehe es aber nicht nur um die bereitgestellte Technologie, sondern darum, was Partner und Kunden damit machten. So stehe mit Azure nun der weltweit erste AI Supercomputer für alle deutschen Entwickler bereit und biete das umfangreichste Set an Datendiensten und die meisten State-of-the-Art-Services. Durch den Wechsel in ein Application-Modell würde der Zugang darauf nun demokratisiert.

Nadella wies darauf hin, dass auch Office 365 nicht nur den Wechsel in die Cloud bedeute, sondern ein völlig anderes Arbeiten ermögliche. Die demnächst in der Cloud verfügbare CRM-Lösung Dynamics 365 bewirke eine weitere Veränderung der Geschäftsprozesse.

"All diese Dinge verbessern die Wettbewerbsfähigkeit, in diesem Fall für deutsche Firmen, weil sie neue Geschäftsmodelle ermöglichen", betonte Nadella: "Ich habe in meinen mehr als 25 IT-Jahren nichts gesehen, das so transformierend sein kann wie die Cloud!"

Höttges: "Die Deutschen sind muffelig bei der Cloud"

Nadellas Nachredner Tim Höttges wies darauf hin, dass Deutschland erst einen Bruchteil des Cloud-Potenzials realisiert habe. Jetzt gelte es, die verschiedenen Möglichkeiten voll auszuschöpfen und den Wirtschaftsstandort mit einem digitalen Ruck weiter nach vorne zu bringen "Die Cloud ist mehr als Mail und Daten, sie kann alles", betonte der Telekom-Chef. und verwies als Beispiel auf das Schweizer Messer, mit dem man mehr als nur Äpfel schälen könne: "Wir müssen nur unsere Sicht verändern, wie wir damit umgehen."

Telekom-Chef Tim Höttges setzt bei der Digitalisierung auf die zweite Halbzeit.
Telekom-Chef Tim Höttges setzt bei der Digitalisierung auf die zweite Halbzeit.

Eine besondere Rolle misst Höttges dabei wenig überraschend der Microsoft Cloud Deutschland mit der Telekom als Datentreuhänder zu. Geschäftskunden aller Größen und Branchen hätten damit die Möglichkeit, ihre digitalen Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln und damit zu wachsen. Und mit Microsoft Azure könne man den Kunden 66 standardisierte Applikationen anbieten, dies sei quasi das Schweizer Messer für IoT.

"Ich habe es bereits früher gesagt: Die erste Hälfe der Digitalisierung haben wir krachend verloren, aber in der zweiten Hälfte haben wir enorme Chancen", erklärte der Topmanager und verwies insbesondere auf die Weltmarktführung der hiesigen Industrie bei Embedded und Maschinenbau. Allerdings seien die Deutschen "muffelig bei der Cloud", nur 23 Prozent der Unternehmen nutzten die Public Cloud, der Industrieschwerpunkt liege in der Private Cloud.

Der Telekom-Chef beklagte auch die geringe Entscheidungsfreude hierzulande: "Wir sind Weltmeister in Pilotprojekten, aber wenn es zur Sache geht, etwas zu zögerlich." Dabei müssten die deutschen Unternehmen jetzt investieren, um gegenüber der weltweiten Konkurrenz nicht in die Hinterhand zu geraten, erklärte Höttges und zitierte den TSMC-Gründer Morris Chang: "Execution without strategy is aimless, but strategy without execution is useless".

Dabei sei man bereits am digitalen Breakeven angelangt, nach dem es steil aufwärts gehe, ermutigte der Telekom-Chef die Zuhörer. Alle Rahmenbedingungen seien gesetzt, darunter auch ein sicherer Rechtsrahmen.

Handlungsempfehlungen für die digitale Transformation

Microsoft stellte auf der Veranstaltung auch die Denkschrift "Cloud for Global Good" (PDF) vor. Ziel des Werks ist es, ein einheitliches Verständnis von den rechtlichen Rahmenbedingungen der Public-Cloud-Nutzung zu fördern und Unternehmen und Organisationen anhand von Erfolgsfaktoren und Praxisbeispielen den sicheren, nachhaltigen Weg in die Cloud aufzuzeigen.

"Cloud Computing bietet die Antwort auf einige der größten Herausforderungen in der Welt. Doch wie so oft bei technologischem Fortschritt ergeben sich auch viele Fragen für die Gesellschaft", erklärte Brad Smith, President und Chief Legal Officer bei Microsoft. "Wir müssen alle zusammenarbeiten, um eine 'Cloud for Global Good' aufzubauen. Unsere Hoffnung ist, dass die Denkschrift uns allen dabei hilft, die Technologie voranzutreiben und gleichzeitig sicherzustellen, dass niemand zurückgelassen wird."