Freiberuflermarkt

Nachfrage nach IT-Profis geht leicht zurück

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Die Nachfrage nach IT-Spezialisten hat sich im 4. Quartal 2013 laut Hays-IT-Fachkräfte-Index im Vergleich zum 3. Quartal 2013 leicht abgeschwächt. Beobachter des IT-Stellenmarkts verwundert dieser rückgängige Trend nicht.

Während die Nachfrage im gesamten Jahr 2012 gleichbleibend hoch war, erschien sie bereits im ersten Quartal 2013 etwas gedämpft. Damals erklärte Jörn Bäumer, Bereichsleiter Contracting beim Personalvermittler Hays: "Die Auslastung der IT-Freelancer ist zwar nach wie vor gut, die Stimmung bei den Unternehmen in puncto neuer Projekte indes eher zurückhaltend." Der Hays-Experte sollte Recht behalten. Seit dem zweiten Quartal 2013 ist der Hays-IT-Fachkräfteindex zum dritten Mal in Folge gesunken.

Nicht für alle IT-Freiberufler sind die Marktaussichten ungetrübt.
Nicht für alle IT-Freiberufler sind die Marktaussichten ungetrübt.
Foto: Tobias W./Fotolia.com

Vergleicht man die letzten drei Jahre sind es nur die Netzwerkadministratoren, die im letzten Quartal 2013 etwas stärker als zu Beginn des Jahres 2011 gesucht werden. Dennoch rät der Hays-Fachmann auch ihnen, IT-Projekte frühzeitig zu akquirieren: "Die Externen sollten sich darauf einstellen, dass die Firmen sich vor allem bei Nachfolge-Projekten etwas zurückhalten."

SAP-Berater sind Mangelware

Dagegen werden SAP-Berater fast auf dem Niveau des ersten Quartals 2011 gesucht. Auch IT-Berater sind laut Hays-Index von den Unternehmen nicht mehr so gefragt. Der Hays-Bereichsleiter fragt sich indes, ob die Grenzen bei den IT-Tätigkeiten nicht oftmals fließend seien. Als Beispiel nennt er das Thema Cloud. "Hier kommen viele unterschiedliche IT-Themen zusammen und werden vermischt", interpretiert Bäumer. Diese Antwort könnte auch ein Fachkräfteindex nicht hundertprozentig geben.

In jedem Fall würden zunehmend Großunternehmen verstärkt auf Hays zukommen und nach Unterstützung bei der Suche nach Festangestellten fragen. Nach Meinung von Bäumer kommt auf die IT-Welt auch eine eine so genannte strukturelle Arbeitslosigkeit zu. So sitze eine ganze Reihe der interessantesten deutschen Unternehmen mitten in der Pampas. "Weder alle Festangestellte noch alle Externe wollen unbedingt mitten im Wald arbeiten", erklärt der Hays-Manager.

SAP-Profis werden nach wie vor händerringend gesucht, so Jörn Bäumer von Hays.
SAP-Profis werden nach wie vor händerringend gesucht, so Jörn Bäumer von Hays.
Foto: Hays

Kein Grund zur Panik

Dass die Nachfrage nach SAP-Experten laut Hays-IT-Fachkräfteindex geringer wurde, ist für Bäumer kein Indiz für schlechte Zeiten: "Gleichzeitig suchen die Unternehmen händeringend und teilweise monatelang nach SAP-Profis." Auch im 4. Quartal 2012 sei die Nachfrage nach SAP-Profis zurückgegangen. Seiner Meinung nach lässt sich dieser Rückgang auf saisonale Schwankungen zurückführen. Darüber hinaus sei das vierte Quartal jedes Jahr schwächer als die ersten drei Quartale, da die Verantwortlichen in den Unternehmen das nächste Jahr planen würden.

Bei den Branchen zeigt der Vergleich zum Vorjahr ein unterschiedliches Bild. Während die IT-Unternehmen selbst den weiterhin größten Anteil an IT-Profis haben, haben alle anderen Branchen, mit Ausnahme des Maschinenbaus und der Medizintechnik, deutlich weniger Stellenanzeigen als noch im vierten Quartal 2012 geschaltet. Dennoch weist der Hays-Manager auf positive wirtschaftliche Signale hin: So würden im Bankensektor, aufgrund der immer neu entstehenden EU-Regularien, qualifizierte IT-Freelancer mit Finanz-Wissen ihren festen Platz in der Finanzwelt haben.

Des Weiteren sei, auch im Vergleich mit dem Vorjahr, der Bereich Life Sciences, ein Mega-Trend. "Da die Gesellschaft überaltert ist, wird es hier eine riesige Nachfrage nach Pflege geben", erklärt Bäumer. Gleichzeitig würde die Technik in immer mehr Geräte zur Pflege von Patienten Einzug halten. Große Chancen sieht der Hays-Manager ebenfalls im öffentlichen Sektor. Egal ob IT-Security, Gesundheitswesen, Anonymisierung, Logistik - überall stünden interessante Jobs, zumeist mit Folgeaufträgen, zur Verfügung. Zwar würde sich die Nachfrage zurzeit noch in Grenzen halten, aber auch hier seien sich die Verantwortlichen zunehmend bewusst, welche Vorteile IT-Freelancer in engen Personalsitutationen zu bieten haben. (kf)

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Die Auftragslage von selbständigen IT-Experten ist gut, viele von ihnen sind in Projekte eingebunden, die ein Jahr oder länger dauern. Das ist ein zentrales Ergebnis der IT-Freiberuflerstudie 2014 der COMPUTERWOCHE. Die Studie gibt es ab sofort im CW-Shop.