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Nach Worldcom-Skandal: SEC nimmt nun auch Qwest ins Visier

27.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die US-Börsenaufsicht SEC hat eine strenge Überprüfung des US-Carriers Qwest auf möglichen Ungereimtheiten in den Bilanzen angekündigt. Nach einem Bericht des "Wallstreet Journal" ermittelt die Behörde bereits seit April, ob das Unternehmen Einnahmen in Gesamthöhe von 1,4 Milliarden Dollar aus dem Verkauf von Netzkapazitäten inkorrekt verbucht hat.

Ähnlich wie Global Crossing tauschte Qwest in den vergangenen Jahren mit anderen Carriern Kapazitäten aus, teilweise sogar in fast identischem Umfang. Im Gegensatz zu dem inzwischen insolventen Unternehmen hat Qwest die Einnahmen jedoch auf einmal verbucht, anstatt diese gemäß der Laufzeit dieser Verträge über mehrere Jahre in den Büchern zu verteilen. Presseberichten zufolge drehen sich die Untersuchungen immerhin um rund vier Prozent des Gesamtumsatzes in den betroffenen Geschäftsjahren 2000 und 2001. Dem "Wallstreet Journal" zufolgen will die SEC nun herausfinden, inwiefern die Tauschpartner die Netzkapazitäten benötigt haben und ob Qwest der Anleitung der Buchprüfungsgesellschaft Arthur Andersen ordnungsgemäß gefolgt ist.

Die Manager des gebeutelten US-Carriers und dessen Anwalt bezeichneten die umstrittenen Tauschgeschäfte als eine gängige Praxis. Sie versuchen nun, die SEC davon zu überzeugen, dass die Gelder korrekt verbucht wurden. Nach dem Bericht der New Yorker Tageszeitung fiel der Kurs der Qwest-Aktie am gestrigen Mittwoch um fast 60 Prozent auf 1,97 Dollar. Der mit 26,6 Milliarden Dollar Schulden beladene TK-Konzern war in den vergangenen Monaten stark unter Druck geraten, nachdem die Kreditwürdigkeit auf den "Junk"-Status zurückgestuft wurde.

Um die enttäuschten Anleger zu beruhigen, wurde Anfang vergangener Woche der für den drastischen Wertverlust mitverantwortliche CEO Joseph Nacchio aus dem Amt gedrängt (Computerwoche online berichtete). (mb)