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Nach schlechten Zahlen: Mandriva feuert Mitbegründer

16.03.2006
Der Schöpfer von Mandriva Linux Gaël Duval ist einer der Angestellten, die den französisch-brasilianischen Linux-Distributoren aus Kostengründen verlassen müssen.

Duval, Mitbegründer der Pariser Vorgängerfirma Mandrakesoft, hat Gerüchte bestätigt, wonach er das Opfer der jüngsten Entlassungsrunde bei Mandriva wurde. "Es ist nicht leicht zu verstehen", erklärte der Franzose in einem IRC-Interview: Vor sieben Jahren habe ich mir und vielen anderen Menschen einen Arbeitsplatz geschaffen, und plötzlich sagt mir der aktuelle CEO, dass ich das Unternehmen verlassen muss."

Duval berichtete dem Linux-Informationsdienst "Newsforge", dass ihn Mandriva-CEO Francois Bancilhon bereits im vergangenen Jahr zum Rücktritt aufgefordert hatte. Statt darauf einzugehen, habe er sich bereit erklärt, seine Position als Communications-Chef aufzugeben, um als Leiter des neu geschaffenen Bereichs Community den Ruf Mandrivas in der Open-Source-Szene zu verbessern. Nun sei er endgültig vor die Tür gesetzt worden.

Duval hatte die Firma Mandrakesoft 1998 zusammen mit Jacques Le Marois und Frédéric Bastok gegründet. Grundlage der Company war die von von Duval konzipierte Mandrake Linux-Distribution. Diese basierte ursprünglich auf Red Hat Linux, angereichert mit der Benutzeroberfläche KDE und zahlreichen Tools. Mandrakesoft rutschte nach dem Börsengang im Jahr 2001 tief in die roten Zahlen und wurde im Januar 2003 unter Gläubigerschutz gestellt. Nach der Reorganisation profitabel geworden, begab sich der Pariser Linux-Distributor auf Einkaufstour, um mit den Konkurrenten Red Hat und Novell Suse Schritt zu halten. Ende Februar 2005 übernahm Mandrakesoft dann den brasilianischen Linux-Distributor Conectiva für etwa 1,79 Millionen Euro, wenige Monate darauf folgte die Umfirmierung in Mandriva, die Linux-Distribution wurde aus markenrechtlichen Gründen in Mandriva Linux umgenannt.

Im jüngsten Geschäftsquartal (Ende: 31. Dezember 2005) rutschte die Company mit einem Verlust von 590.000 Euro in die roten Zahlen, nachdem im Vergleichquartal des Vorjahres noch ein Profit von einer Million Euro erzielt worden war. Als Begründung verwies Mandriva unter anderem auf die schwierigen Marktbedingungen in Brasilien und den gestiegene Marketing-Aufwand nach der Vorstellung von Mandriva Linux 2006 im Oktober, während die Umsätze mit knapp zwei Millionen Euro auf Vorjahresniveau lagen. Duval wiederum sieht in den gestiegenen Betriebskosten den Grund für den aufgelaufenen Verlust. 2005 und Anfang 2006 habe die Company zu viele neue Mitarbeiter eingestellt, von diesen sei jedoch seines Wissens nach keiner entlassen worden.

Duval will nach seinem Rauswurf bei Mandriva einen zweiten Anlauf an der Spitze eines Open-Source-Startups wagen. Grundlage ist ein neues Konzept eines Open-Source-Betriebssystems namens Ulteo, an dem der Linux-Experte seit einem Jahr nebenher gearbeitet hatte. (mb)