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Der Prozeß

Nach Netscape nun Apple und AOL im Zeugenstand

28.10.1998
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Der Prozeß

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) – Nach dem Netscape-Boß Jim Barksdale treten nun Vertreter von Apple und dem Online-Dienst America Online als Zeugen der US-Regierung im Kartellrechtsprozeß gegen den Softwaregiganten Microsoft an. Beide sahen sich in der Vergangenheit von der Gates-Company zur Nutzung der Browsers "Internet Explorer" gezwungen. Microsoft soll Apple damit gedroht haben, die Weiterentwicklung von "Office for Macintosh" einzustellen. "Wir mußten sicherstellen, daß Microsoft weiterhin Office für den Mac anbietet – sonst wären wir tot gewesen", so Fred Anderson, Chief Financial Officer. "Sie drohten damit, den Mac fallenzulassen. Da mußten wir halt den Internet Explorer zum Standard-Browser erklären." Etwas anders war die Lage bei AOL. Die Entwickler dort hielten Netscapes Navigator und den Microsoft-Browser für ebenbürtig. David Colburn, Senior Vice-President von AOL, räumt jedoch freimütig ein: "Wir hätten uns mit Microsoft über keine Browser-Lizenz unterhalten, hätte nicht Microsoft eine Bereitschaft erkennen lassen, die Client-Software von AOL in irgendeiner Form mit Windows auszuliefern. Da konnte Netscape leider nicht mithalten." Die Vorführung der auf Video vorliegenden Zeugenaussage von Microsoft-Chef Bill Gates wurde übrigens auf frühestens kommenden Donnerstag verschoben.