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Nach der Flatrate-Panne: Britischer Altavista-Chef muss gehen

31.08.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nachdem die britische Altavista-Niederlassung ihren für den 30. Juni 2000 angekündigten Internet-Zugang zu einem günstigen Pauschalpreis wieder auf Eis legen musste, wurde nun der verantwortliche Geschäftsführer Andy Mitchell entlassen.

Das geplante Flatrate-Angebot rechne sich für den Service-Provider derzeit nicht, hatte Altavista vor wenigen Tagen in einem offiziellen Statement mitgeteilt. Mitchell, der im Urlaub weilte als es brenzlig wurde, machte vor allem die zögerliche Haltung der British Telecom (BT) verantwortlich. Der Carrier ziere sich, Konkurrenten das Ortsnetz zu Fixpreisen zur Verfügung zu stellen. Die englische Presse interpretierte dieses Statement als billige Ausrede für eigenes Versagen und nahm Mitchell unter Beschuss.

Die Absage bedeutet für Altavista einen schweren Prestigeverlust, da das Unternehmen sich zuvor gebrüstet hatte, monatlich zirka 90 000 Kunden gewinnen und so den britischen Markt aufrollen zu wollen. Angesichts dieses ambitionierten Plans war Altavista von der Presse genau beobachtet worden.

Peinlicherweise hatte die Company behauptet, bereits einige Kunden mit der Flatrate zu bedienen, war aber nicht bereit, Details zu nennen. Auf der Insel führte dieses Verhalten zu einer Fahndung der Medien nach Kunden der Altavista-Flatrate, die aber zu keinem Ergebnis führte. Wer versuchte, sich für den Altavista-Dienst anzumelden, erhielt die Mitteilung, wegen des großen Andrangs hingen Neukunden in einer "Warteschleife" und würden später bedient.

British Telecom weist unterdessen jede Verantwortung für das Scheitern der Altavista-Flatrate von sich. Gegenüber dem englischen Nachrichtendienst "Computergram" sagte ein Sprecher, Altavista habe seine Marketing-Offensive gestartet, noch bevor ein Gespräch mit British Telecom geführt worden sei. Auch mit anderen Telcos habe das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht verhandelt. Unter den britischen Internet-Providern herrscht nun Erleichterung: Sie hatten angesichts der erwarteten Konkurrenz durch Altavista bereits ihre Zugangspreise gesenkt.