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Nach dem Skandal: Computer Associates will mit SAP abrechnen

02.12.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der in Islandia, New York, ansässige Systemsoftwaregigant Computer Associates International Inc. (CA) plant, seine selbst gebastelten Finanzsysteme durch SAP-Software zu ersetzen. Für die Implementierung hat er sich der Unterstützung des Dienstleistungsunternehmens Accenture versichert.

Diese Entscheidung hängt mit dem Finanzskandal zusammen, in den CA jahrelang verstrickt war und der einen Austausch der Unternehmensspitze sowie Reparationszahlungen in Höhe von 225 Millionen Dollar nach sich zog. Schon vor Monaten hatte der Softwareanbieter angekündigt, er werde fünf bis zehn Millionen Dollar in eine Standardsoftware für das Enterprise Resource Planning (ERP) investieren. Der neue Chief Operating Officer Jeff Clarke will mit dieser Maßnahme künftig jede Abrechnungsmauschelei ausschließen. Zudem braucht das Unternehmen die neue Software, um die Auflagen zu erfüllen, die ihm das Justizministerium im Rahmen der Strafaussetzung verordnet hat.

Der Startschuss für das Projekt steht unmittelbar bevor. Neben dem eigentlichen Finanzbereich betrifft das Vorhaben auch die Anwendungsgebiete Business Intelligence, Customer-Relationship-Management sowie elektronische Beschaffung ("E-Procurement") und Sourcing, so der Softwarekonzern. "Ich betrachte das als eine Transformation, die weit mehr als nur ERP im Auge hat", sagt Kevin Kern, IT-Chef von Computer Associates.

Nach den Gründen für die Entscheidung zugunsten der SAP-Produkte gefragt, nannte Kern das umfassende Angebot des deutschen Softwareunternehmens und die Integrationsfähigkeit der Module. Für diesen Vorteil habe er die Option ausgeschlagen, auf jedem Sektor das leistungsfähigste Einzelprodukt herauszupicken (im Fachjargon "Best of Breed" genannt). Mit der SAP-Software wird CA unter anderem das selbst entwickelte Finanzabrechnungs-System "Masterpiece" ablösen. Die von Peoplesoft stammende Personal-Management-Software und die Marketing-Lösung von Aprimo sollen jedoch weiter genutzt werden.

Insgesamt sollen 15 000 CA-Mitarbeiter zumindest auf Teile des SAP-Systems zugreifen können. In das Einführungsprojekt sind neben Accenture- und SAP-Spezialisten auch 80 IT- und Business-Experten des Anwenderunternehmens involviert. Sie zeichnen vor allem für das Systemdesign verantwortlich, während die externen Berater und Dienstleister ihre Best-Practices-Erfahrungen einbringen sollen. Einen verbindlichen Zeitplan gibt es noch nicht, aber einige Pilotprojekte laufen bereits. (qua)