Dell oder HP

Nach Dell will jetzt auch HP 3Par kaufen

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Gerade erst meldete Dell, den Storage-Virtualisierungs-Spezialisten 3Par für 18 Dollar je Aktie kaufen zu wollen. Jetzt hat HP ein Angebot über 24 Dollar für alle ausstehenden 3Par-Aktien gemacht.
Michael Dell, Gründer und CEO von Dell, dürfte das Lachen bei HPs Angebot für 3Par vergangenen sein.
Michael Dell, Gründer und CEO von Dell, dürfte das Lachen bei HPs Angebot für 3Par vergangenen sein.
Foto: Dell

Vor einer Woche schrieb COMPUTERWOCHE-Online, dass Dell ein freundliches Übernahmeangebot zu 18 Dollar je ausstehender 3PAR-Aktie unterbreitet. Zieht man davon Barmittel von 3PAR ab, beläuft sich der Deal auf 1,15 Milliarden Dollar. 3PAR werde seinen Sitz in Fremont behalten. Die Übernahmebedingungen, so die weiteren Informationen, seien von den Boards of Directors beider Unternehmen genehmigt worden.

Schnee von gestern

Das scheint nunmehr Schnee von gestern zu sein. Denn jetzt verkündet Hewlett-Packard, dass man dem Pionier im Bereich Thin Provisioning und anderer Techniken im Bereich Speichervirtualisierung ein Angebot über 24 Dollar in bar gemacht habe. Der Deal sei insgesamt somit 1,6 Milliarden Dollar schwer, gut 33 Prozent mehr als Dells Offerte. Das HP-Board of Directors habe bereits zugestimmt. Vorausgesetzt, auch 3Par würde einschlagen, könne die Fusion bis zum Jahresende durchgezogen sein.

HP argumentiert, 3Pars Lösungen wie etwa die geclusterte Multi-Tenant-Storage-Architektur mit dynamisch mehreren Ebenen, die sehr gut für Private- und Public-Cloud-Konzepte geeignet sei, passe perfekt in die eigene Converged-Infrastructure-Strategie. Hierbei handelt es sich um eine Cross-Produkt-Lösung aus Storage, Servern und Netzwerk-Komponenten.

Dell wiederum wollte die Lösungen von 3PAR als integralen Bestandteile seiner Storage-Produkte "PowerVault", "EqualLogic" und "Dell/EMC" vertreiben. Mit den 3PAR-Lösungen könne Dell nun "innovative Systeme für unterschiedlichste Anwenderanforderungen anbieten von Direct-Attached-Storage-Lösungen bis hin zu hochgradig virtualisierten Cluster-SANs", hieß es noch vor einer Woche von offizieller Seite.

Das sagen Dells Brad Anderson

"Wir haben unser Storage-Portfolio in den letzten Jahren stets optimiert, um Anwendern eine große Bandbreite an Lösungsmöglichkeiten anbieten zu können", betont Brad Anderson, Senior Vice President der Enterprise Product Group bei Dell. "Die 3PAR-Lösungen bieten die Performance und einfache Handhabbarkeit im High-End-Bereich für virtualisierte Storage-Umgebungen wie die EqualLogic-Produkte für den Einstiegs- und Midrange-Sektor. Sie sind damit eine wichtige Erweiterung unseres Storage-Lösungsportfolios."

… und 3Par-Chef David Scott

Auch David Scott von 3Par meldete sich anlässlich der Dell-Ankündigung zu Wort: "3PAR hat seine Kunden schon immer mit Lösungen unterstützt, mit denen 'mehr' mit 'weniger' gemacht werden kann", erklärte der President und CEO. "Mit Dell und seinem großen Vertriebsnetz können wir die virtualisierte Storage-Plattform jetzt einer deutlich größeren Anzahl potentieller Anwender zur Verfügung stellen."

… und Dave Donatelli, HP

"HPs Angebot bietet 3Pars Aktionären einen überdurchschnittlichen Nutzen und Wert. Unserer weltweiten Reichweite, unseren starken Zugängen zu Märkten und unserer Verpflichtung zu Innovationen ist HP in einer einzigartigen Position als ideale Ergänzung mit 3Par," sagte Dave Donatelli, Executive Vice President and General Manager von HPs Enterprise Servers, Storage and Networking-Division.

In einem Brief an 3Par-Chef Scott betont Shane Robison, Executive Vice President and Chief Strategy and Technology Officer bei HP unter anderem, dass man - anders als es im Dell-Angebot steht - auch kein Geld haben will für den Fall, dass die Verhandlungen zu einem späteren Zeitpunkt ergebnislos beendet werden sollten.

Ferner äußert HP in seinem Brief an Scott Verständnis dafür, dass 3Par jetzt erst einmal mit Dell werde reden müssen. (jm)