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MySQL zeigt Grenzen von Open-Source-Lizenzen auf

15.03.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mit der Veröffentlichung der Version 4.0 seiner Datenbank hat MySQL AB die Lizenzierung der entsprechenden Client-Bibliotheken von der LGPL (GNU Lesser General Public License) auf die GPL (GNU General Public License) umgestellt. Unmut erntete der Hersteller damit vor allem von Nutzern der Scripting-Umgebung PHP.

Das Problem besteht in der Inkompatibilität der GPL mit den Lizenzbestimmungen von PHP. In der Folge können die neuen Client-Bibliotheken nicht mehr mit PHP ausgeliefert werden. Die Pakete sind mittlerweile jedoch so verschmolzen, dass sie in Kombination mit dem Web-Server von Apache und dem Betriebssystem Linux "LAMP" (Linux Apache MySQL PHP) genannt werden.

Durch die Lizenzänderung seitens MySQL sind nicht nur PHP-Anbieter betroffen. Auch Linux-Distributoren wie Red Hat stehen vor dem Problem, die Datenbank-Bibliotheken nicht in einem Paket mit PHP bündeln zu können.

MySQL hat nun einen Zusatz zur GPL angekündigt. Laut Zack Urlocker, Vice President of Marketing, gestattet er es ausdrücklich, PHP mit den betroffenen Komponenten zu bündeln. Als Schritt in die richtige Richtung begrüßte Andi Gutmans, Vice President des PHP-Anbieters Zend, die Ankündigung. Red Hat will dagegen die MySQL-Datenbank nicht mehr in seine Distributionen integrieren, sagte Unternehmenssprecherin Leigh Day.

Der Schritt MySQLs zeige, dass zunehmend lizenzrechtliche Probleme auftreten, wenn sich Open-Source-Software im Mainstream der Computerindustrie etabliere, sagen Experten. Die Bindung der GPL an die MySQL-Bibliotheken bedeute nicht, dass die Softwarepakete nicht gemeinsam genutzt werden dürfen, stellte Zend-Manager Gutmans klar. lediglich die Auslieferung in einem gemeinsamen Paket sei betroffen. Urlocker betonte, dass die Lizenzschwierigkeiten mit dem "Free and Open Source Software License Exeption" genannten Zusatz zur GPL behoben seien. Gutmans zufolge gibt es jedoch auch Probleme bei der Anbindung anderer proprietärer Softwarebibliotheken, die gemeinsam mit den MySQL-Komponenten betrieben werden sollen. Diese gelte es ebenfalls zu beseitigen. (lex)