Gadget des Tages

Myo verspricht Gestensteuerung per Muskelkraft

Tobias Wendehost beschäftigt sich als Volontär aktuell mit verschiedenen Hardwarethemen und stellt täglich ein Gadget des Tages vor. Ansonsten arbeitet er sich thematisch durch die Ressorts Job und Karriere, Software, Netzwerke und Mobile sowie IT-Strategie. Wer möchte, kann Tobias bei Twitter (@tubezweinull) folgen oder bei Xing eine Nachricht schreiben.
Myo ist ein Armband, das elektrische Impulse von Muskeln erkennt und als Steuerungssignal weiterleitet. Entwickelt wurde es vom Startup Thalmic Labs.

Als Microsoft im November 2010 mit dem Verkauf von Kinect startete, erkannten viele Anwender die Möglichkeiten der Steuerungsleiste. Das Unternehmen Artec entwickelte beispielsweise eine Software, die 3D-Scanns mit Kinect erlaubt. Andere experimentierfreudige Nutzer entwarfen Hacks, mit denen sich etwa ein virtuelles Piano steuern oder die Klobrille öffnen lässt.

Gestensteuerung ohne Kamera oder externe Sensoren

Gestensteuerung per Kinect dürfte auch die Gründer des Startups Thalmic Labs aus Waterloo (Kanada) inspiriert haben. Ein Team von Entwicklern rund um die drei Gründer Stephen Lake (CEO), Matthew Bailey und Aaron Grant, hat Myo entworfen. Das Armband kommt im Vergleich zu anderen Gestensteuerungssystemen ohne Kamera oder externen Sensoren aus. Myo wird über den Arm, genauer über elektrische Impulse der Armmuskulatur, gesteuert.

In einem weiteren Youtube-Video beschreiben die Macher die Funktionsweise des Gadgets. "Wir nutzen die elektrischen Signale der Armmuskulatur aus", erklärt Stephen Lake, CEO von Thalmic Labs, Myo. "Insgesamt nehmen zwei verschiedene Sensoren die Bewegungen des Arms auf und wandeln sie in Steuersignale um."

Dabei erfasst die sogenannte "Inertial Measurement Unit" (Inertialsensor, IMU) die Position von Arm und Hand im Raum. Die Bewegung wird anhand von sechs Achsen gemessen. Gleichzeitig interpretieren verschiedene Elektroden die elektrischen Signale der Armmuskeln (Myoelektrik). Durch die Messung von myolektrischen Impulsen erkennt Myo Bewegungen bereits, bevor sie überhaupt passieren, so CEO Lake. Das menschliche Gehirn sendet ein Signal an die Muskeln, die Bewegung setzt im zweiten Schritt ein. Damit Myo nicht jede beliebige Geste für die Steuerung interpretiert, wird das Gerät durch vordefinierte Bewegungen aktiviert.

PowerPoint-Präsentation mit Myo

Mit dem Armband sind vielfältige Anwendungen möglich: Vom Durchblättern von PowerPoint-Slides bis zur Steuerung von Videospielen oder Parrots AR.Drone 2.0. Die gemessenen Informationen werden vom integrierten ARM-Prozessor verarbeitet und per Bluetooth an ein Notebook oder kompatibles Gerät gesendet. Laut Thalmic Labs funktioniert Myo in Kombination mit Mac- und Windows-Rechnern sowie Android- und iOS-Mobilgeräten. Der Strom kommt vom eingebauten Lithium-Ionen-Akku.

Um möglichst viele Anwendungen für das Gerät zu erhalten, richten sich die Macher von Myo auch an interessierte Entwickler. Diese können sich bereits im Vorfeld Myo sichern und eigene Apps für das Armband entwerfen. Ansonsten lässt sich das Gadget für knapp 150 US-Dollar vorbestellen. Der Versand wird voraussichtlich Anfang 2014 erfolgen. Laut MIT Technology Review haben bereits über 30.000 Interessenten Myo vorbestellt.

Allerdings weist der Autor desselben Artikels darauf hin, dass ein ähnliches Projekt von Leap Motion - mit einer anderen Technologie - Probleme bei der Gestensteuerung hat. Gartner Analyst Adib Ghubril geht daher auch davon aus, dass Myo ein Nischendasein bei Gamern oder beim Militär führen wird. Wer dennoch weitere Informationen haben möchte, erhält diese auf der Website von Thalmic Labs.