Frankfurt

Musikmesse mit Rekorden und "unsichtbaren" Neuheiten

05.04.2011
Die Neuheiten auf der Musikmesse Frankfurt sind gut versteckt.

Während historische Gitarren als Schmuckstücke an der Wand hängen, geht es an vielen Ständen um Apps, die aus dem Telefon ein Aufnahmestudio machen. Einen Überraschungserfolg feiert das Akkordeon.

Ab morgen ist Frankfurt wieder für ein paar Tage Nabel der Musikwelt.
Ab morgen ist Frankfurt wieder für ein paar Tage Nabel der Musikwelt.
Foto: Messe Frankfurt

Die Szene spricht Bände: An der Wand hängen Gitarren wie Schmuckstücke in Goldrahmen an der Wand. Davor sitzt ein junger Mann mit Kopfhörern vor einem Laptop - ein typisches Bild für die Musikmesse, die am Mittwoch in Frankfurt beginnt. Denn vieles, was bis zum Samstag die Herzen der Profis höherschlagen lässt, bleibt für den Laien unsichtbar. Die echten Neuerungen sind digital.

Blickfang der 42. Musikmesse ist eine große Ausstellung mit historischen Instrumenten, die in einer Halle dekorativ zwischen Oldtimer-Autos auf Bewunderer warten. Einige davon sind bereits so wertvoll, dass sie als Geldanlage infrage kommen, berichten die Verantwortlichen der Schau. Nebenan klampfen drei Gitarristen, die selbst aussehen wie Museumsstücke, zur Show für die Fotografen.

Die Jungen interessieren sich eher für sogenannte Musik-Apps. Zum Beispiel das "Ampkit", ein kleines weißes Kästchen, das Gitarre und Smartphone verbindet und damit das iPhone zu Aufnahmegerät, Effektmaschine und Verstärker in einem macht. Innovationen dieser Art gibt es en masse: eine komplette Studio-Software für unterwegs; eine App, die es ermöglicht, mit dem Smartphone Gitarre zu spielen; eine Synthesizer-Station für das iPad; ein Verstärker, mit dem man seine Lieder virtuell in einem Spitzenstudio aufnehmen kann, auch wenn es in Wahrheit nur ein Hinterzimmer ist.

Überraschende Neuigkeiten gibt es über die Vorlieben der Käufer "analoger" Instrumente: Das Akkordeon spielt sich ins Herz von immer mehr Musikern. Nach Branchenangaben stieg die Nachfrage um 34 Prozent, elektronische Instrumente wurden um 23 Prozent mehr gekauft. Zu den Verlierer zählen Streich- und Zupfinstrumente, die um 22 Prozent weniger verkauft wurden.

Auf der Messe gibt es Gitarren aus afrikanischem Holz, ein Klavier mit einfahrbarer Tastatur im Porsche-Design, ein Mini-Schlagzeug für Kinder. Laut Messe sind über 30.000 Produkte zu sehen - Instrumente, Musik-Software, Noten, Zubehör aller Art. Der ziegelsteindicke Katalog verzeichnet rund 1000 Workshops, Produktvorführungen, Wettbewerbe, Konzerte, Autogrammstunden und Shows.

Unter anderem haben sich Silbermond, Stefanie Heinzmann, The Boss Hoss und John McLaughlin angekündigt, die meisten spielen am Samstag, dem Publikumstag. Bis dahin ist die Messe nur für Fachbesucher geöffnet. In Vorjahr waren 77.600 Besucher gekommen.

Zur Eröffnung steht heute Abend eine Gala auf dem Programm, bei der - erstmals im Rahmen der Musikmesse - der Live Entertainment Award vergeben werden sollte, eine Auszeichnung in 16 Kategorien für Menschen hinter den Kulissen der Veranstaltungsbranche. Unter das Dach dieser Gala ist auch der mit 15.000 Euro dotierte Frankfurter Musikpreis geschlüpft. Der geht in diesem Jahr an die schwedische Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter.

Die weltgrößte Messe rund um das Thema Musik freut sich über eine Rekord-Teilnehmerzahl. Die Krise ist überwunden, berichten die Branchenverbände. Der Export - traditionell die Stütze für den Absatz - zieht merklich an. 2011 erwarten die 1600 Hersteller schon wieder "leicht steigende Umsätze", fasste Messegeschäftsführer Detlef Braun am Dienstag zusammen - und vermeldetet einen Ausstellerrekord.

1511 Aussteller aus 55 Ländern zeigen ihre Neuheiten auf der Musikmesse, vor allem Instrumente, Noten, Technik und Musiksoftware. Dazu kommen 873 Aussteller in der Begleitausstellung Prolight + Sound, auf der Neuheiten der Branche gezeigt werden. Die Musikinstrumente-Hersteller aus Japan sind auf der Messe übrigens "präsent wie eh und je": Die Dreifachkatastrophe hat die Unternehmen "nicht dramatisch in Mitleidenschaft gezogen", kurz- wie mittelfristig gebe es keine Lieferengpässe, sagte Braun. (dpa/tc)