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Musikindustrie will online stärker zulangen

01.03.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Einige große Musiklabels verhandeln derzeit mit Online-Händlern über eine Erhöhung der Großhandelspreise für Musik-Downloads. Laut "Financial Times" wollen sie nun von der steigenden Nachfrage nach legal übers Netz gekaufter Musik verstärkt profitieren. Zum Ärger von beispielsweise Apple-Chef Steve Jobs, der mit iPod und iTunes Music Store den Markt in Schwung gebracht hat.

Musik-Manager äußerten allerdings auch Zweifel, dass sich zum jetzigen Zeitpunkt bereits höhere Preise durchsetzen lassen. Vor allem Universal Music und Sony BMG wollen offenbar keinesfalls den Markt abwürgen. Eines der großen Labels erklärte explizit, es wolle derzeit seine Großhandelspreise nicht erhöhen. Die drei anderen - darunter EMI und Warner - wollten keinen Kommentar abgeben.

Analysten warnen diesbezüglich, durch höhere Preise für Online-Musik würde die Piraterie weiter wachsen. Schätzungen zufolge verlieren die Plattenfirmen jährlich 2,4 Milliarden Dollar durch Raubkopien im Netz.

Aus der Musikbranche ist indes zu hören, dass die Einführungspreise für Download-Musik niedrig angesetzt wurden, um die Nachfrage zu stimulieren. Vor allem Apples Erfolge hätten aber inzwischen die Befürchtung aufkommen lassen, sie seien zu niedrig. Offenbar glauben verschiedene Labels bereits, dass der Online-Musikmarkt bereits eine Preiserhöhung verkraften könnte - auch wenn übers Netz erst zwei Prozent der gesamten Musikverkäufe laufen.

Der Gartner-Analyst Michael McGuire vermutet jedoch, dass eine Preiserhöhung nach hinten losgehen könnte. Die Kunden seien es gewohnt, dass ein einzelner Song für 99 Cent oder weniger zu haben sei. Die Großabnehmerpreise betragen zurzeit geschätzt 65 Cent je Titel. "Das Timing erscheint mir ausgesprochen schlecht", kommentiert der Gartner-Mann. Er befürchtet ebenfalls, dass es die Verbraucher im Falle einer Preiserhöhung wieder verstärkt in den illegalen Netz-Untergrund triebe. (tc)