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Musikindustrie sorgt sich um "Selbstgebrannte"

02.01.2002
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mit Umsatzeinbußen zwischen zehn und 15 Prozent rechnet die deutsche Musikwirtschaft im laufenden Jahr. "Wir werden im Prinzip durch die Technik enteignet", klagt Gerd Gebhardt, Vorsitzender der Phonoverbände mit Blick auf die inflationäre Verbreitung von CD-Brennern. Rund 190 Millionen Rohlinge sollen heuer mit Musik bespielt worden sein (so viele CDs verkaufte die Industrie im vergangenen Jahr) - das sind mehr als im Handel verkauft wurden.

Die Aufklärung der Öffentlichkeit (etwa die bereits vor zwei Jahren gestartete Kampagne "Copy kills Music"), Verbote und Mahnung hätten bislang zu wenig gefruchtet, so Gebhardt. Ein besonderer Dorn im Auge sind ihm die vielen Fachzeitschriften, die genau erklären, wie sich Audio-CDs am besten brennen und Kopierschutz-Mechanismen aushebeln lassen. "Für uns ist das wie eine Aufforderung zum Diebstahl - schließlich darf auch niemand öffentlich erklärten, wie man am einfachsten Autos stiehlt."

Durch die illegalen Kopien entstünden Schäden in Milliardenhöhe, unter denen Hersteller, Künstler, Komponisten und Autoren zu leiden hätten. "Wenn jeder nur für seinen privaten Gebrauch eine Zweit-CD herstellen würde, hätten wir ja gar nichts dagegen", so der Funktionär weiter. Es gebe in der Bevölkerung aber leider so gut wie kein Unrechtsbewusstsein. Besonders problematisch sei die so genannte Schulhof-Piraterie, bei der Musik-Raubkopien oft schon systematisch weiterverkauft würden. (tc)