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Musikindustrie klagt gegen Napster-Erben

04.10.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach den massiven Bestrebungen der Plattenindustrie der MP3-Tauschbörse Napster das Leben schwer zu machen, nimmt die Unterhaltungsindustrie nun den Musikdienst Morpheus ins Visier. Der US-Filmverband Motion Picture Association of America und Vertreter der Musikbranche haben gegen das Unternehmen wegen angeblicher Urheberrechtsverletzung vor dem Bezirksgericht in Los Angeles im US-Bundesstaat Kalifornien geklagt. Die Verantwortlichen werfen dem Hauptbetreiber des Dienstes Musiccity.com unter anderem vor, dort anzufangen, wo Napster aufgehört hat.

Im Gegensatz zu Napster setzt Morpheus zum Datenaustausch keinen zentralen Server ein. Ähnlich wie bei dem Online-Service Gnutella sind Songs und Verzeichnis auf den Festplatten der jeweiligen Benutzer gespeichert. Aufgrund dieses Vorgehens kann das Peer-to-Peer-System im juristischen Sinn nicht als Geschäft mit eigenem Kontrollorgan gesehen und zur Rechenschaft gezogen werden. Folglich müssten die Konzerne die jeweiligen Benutzer belangen. Die Vertreter der Musikindustrie sind jedoch der Ansicht, dass Morpheus sehr wohl einen zentralen Server benutzt, etwa um die Besucherzahl des Dienstes festzustellen. Dadurch könnte das Unternehmen zum Einstellen des Service gezwungen werden. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Webnoize wurden über Morpheus im vergangenen Monat rund 1,5 Milliarden Musik- und Filmdateien heruntergeladen.