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Musikindustrie beklagt Umsatzrückgang und verklagt Studenten

07.04.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Verband der US-Musikindustrie RIAA (Recording Industry Association of America) hat Klage gegen Studenten in den US-Bundesstaaten Michigan, New Jersey und New York eingereicht, die angeblich illegale Musiktauschbörsen organisiert haben sollen. Über die auf den Rechnern der Universitäten unter den Bezeichnungen "Chewplastic" und "Flatlan" betriebenen P2P-Netze (Peer-to-Peer) seien mehrere hunderttausend urheberrechtlich geschützte Songs erhältlich gewesen. Die RIAA fordert für jedes über die Napster-ähnlichen Netze getauschte Lied Schadenersatz von 150.000 Dollar.

Analysten wie Sean Baenen, Chef von Odyssey LP, kritisieren das Vorgehen der RIAA. Zwar habe die Musikindustrie das Recht, ihre Copyrights zu verteidigen, auf längere Sicht gesehen vergraule sie jedoch Kunden. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass sich viele Studenten auf die Seite der Angeklagten schlagen und sich mit ihnen solidarisieren, indem sie keine CDs mehr kaufen. Baenen hat ermittelt, dass Nutzer von Online-Tauschbörsen mehr CDs kaufen als Anwender, die nicht auf P2P-Netze zugreifen. Nach Meinung von RIAA-Anwalt Matthew Oppenheim ist die Argumentation des Marktforschers absurd. Genausogut könne man behaupten, Ladendiebe seien auch Kunden.

Auch in Deutschland brennen immer mehr Anwender Musik-CDs und laden Songs aus dem Internet, besagt eine Studie, die die GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) im Auftrag des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft erhoben hat. Demnach wurden 2002 mit 622 Millionen Liedern 26 Prozent mehr als im Vorjahr heruntergeladen. Die Zahl der selbstgebrannten Audio-CDs stieg um 42 Prozent auf 259 Millionen. Über den Handel seien nur 165 Millionen Musik-Alben verkauft worden, sagte Gerd Gebhardt, Vorsitzender des Phonoverbandes. Laut Studie hat jeder Anwender im Schnitt 11,5 CDs bespielt und 16 Prozent weniger Geld in den Kauf neuer Alben investiert. Nutzer von Tauschbörsen haben sogar 25 Prozent weniger investiert als im Vorjahr, so die Studie. (lex)