Medien

Murdoch-Clan bekommt Denkzettel von Aktionären

25.10.2011
Die beiden Söhne von US-Medienmogul Rupert Murdoch sind bei den Aktionären der News Corp. nicht gut gelitten.
Rupert Murdoch: Das greise Familienoberhaupt hat immer noch rund 40 Prozent der News-Corp.-Stimmrechte.
Rupert Murdoch: Das greise Familienoberhaupt hat immer noch rund 40 Prozent der News-Corp.-Stimmrechte.
Foto: News-Corp-Video

James und Lachlan Murdoch erzielten bei der Wahl zum Verwaltungsrat das schlechteste Ergebnis aller 15 Kandidaten. Besonders übel schnitt James ab, der als Chef des Europageschäfts für den Abhörskandal bei der inzwischen eingestellten britischen Sonntagszeitung "News of the World" mitverantwortlich gemacht wird.

James Murdoch kassierte auf der Hauptversammlung am Freitag 35 Prozent Gegenstimmen. Sein Bruder Lachlan Murdoch schnitt kaum besser und erhielt schmerzhafte 34 Prozent Gegenstimmen. Das Ergebnis gab die News Corp. am Montag in einer Börsenmitteilung bekannt. Beide ziehen damit zwar in das höchste Firmengremium ein, aber der starke Widerstand aus den Reihen der Anteilseigner ist eine Ohrfeige für den gesamten Murdoch-Clan.

Das schlechte Abschneiden ist umso dramatischer, weil allein Rupert Murdoch als Firmengründer rund 40 Prozent der Stimmrechte auf sich vereint und damit eigentlich für klare Mehrheiten sorgen kann. Zusammen mit den Anteilen des verbündeten saudischen Prinzen Al-Walid bin Talal hat Murdoch sogar 47 Prozent aller Stimmen auf seiner Seite.

Auf der Hauptversammlung hatten die Aktionäre darüber geklagt, dass der 80-Jährige den US-Medienkonzern wie ein Patriarch führt und gefordert, dass der Einfluss der Familie zurückgehen müsse. Murdoch hält zwar rund 40 Prozent der Stimmrechte, doch nur 12 Prozent der Anteile. Möglich wird dies durch zwei verschiedene Aktientypen, von denen lediglich die B-Aktien mit Stimmrechen ausgestattet sind.

Rupert Murdoch selbst genießt trotz der Vorkommnisse in Großbritannien ein höheres Vertrauen unter den Aktionäre. Er steht wie kein anderer für den Erfolg des Medienriesen, zu dem unter anderem die Fox-Fernsehsender und das "Wall Street Journal" gehören. Murdoch kontrolliert auch den Bezahlsender "Sky Deutschland ". Gegen seine Wahl in den Verwaltungsrat sprachen sich 14 Prozent der Stimmberechtigten aus.

Allerdings sind die Anteilseigner mit wenigen Ausnahmen gegen eine Trennung der Rollen von Firmenchef und Verwaltungsratsvorsitzendem. Rupert Murdoch vereint beide Posten auf sich. Damit ist der News-Corp.-Chef zugleich sein eigener oberster Kontrolleur. In den USA ist eine solche Machtballung anders als in Deutschland üblich.

Rupert Murdoch hatte sich auf der Hauptversammlung in Los Angeles zum wiederholten Male für die Abhöraktionen von Journalisten der "News of the World" entschuldigt und Aufklärung versprochen. Der Konzern steht wegen des Skandals seit Monaten unter Feuer. In Großbritannien beschäftigt sich sogar das Parlament mit der Angelegenheit.

Mitarbeitern der "News of the World" wird vorgeworfen, sie hätten unter anderem das Handy des entführten und später ermordet aufgefundenen Mädchens Milly Dowler angezapft. Dabei sollen sie auch heimlich Nachrichten in der Mailbox der 13-Jährigen gelöscht haben, um Platz für neue zu schaffen. Das hatte bei den Eltern die Hoffnung geweckt, ihre Tochter lebe noch. Die News Corp. zahlte der Familie eine Wiedergutmachung von 2 Millionen Pfund (2,3 Mio Euro). (dpa/tc)